Di 13. November 2018   C.    28° – 37° – 32°   wechselnd bewölkt

Warum ich soviele Sprachvarianten lerne? (siehe: 19.10.2018)

Ganz einfach. Ich will und muss meine Selbstdisziplin erhalten. Und ich könnte mir vorstellen, dass sich die Sprachkenntnisse hier einmal als Vorteil erweisen könnten.

Tourismus existiert hier zwar so gut wie keiner. Höchstens Naturliebhaber, Fischer und Jäger kommen hier auf ihre Kosten. Hier wohnhafte Ausländer gibt es überaschenderweise doch einige. Wobei die meisten Nicht-Paraguayanos mehr oder weniger assimiliert sind und nicht als solche Erkennbar. (Ausser sie haben eine solch grosse Nase wie ich. 😉 .) Weil öffentlich hören tut man keine fremden Sprachen, ausser das hier gesprochene Südamerika-Spanisch und Guaraní. Aber auch mir geht es so, dass ich zur Abwechslung gerne einmal meine Muttersprache anwende. Weil, wie schon erwähnt, Schweizer hat es überall.

Zu meinem Glück kümmern sich die hier gelandeten um ihr eigenes Dasein. Smalltalk kann ich nicht gebrauchen. Dazu fehlt mir einfach das Talent und der Wille. Mir waren Menschen, die direkt auf den Punkt kommen schon immer lieber.

Mo 12. November 2018   C.     28° – 38° – 32°   schön, vorüberziehende Wolkenfelder

Der Hauptgrund, dass ich kurze Geschichten aus meiner Vergangenheit erzähle, hat damit zu tun, dass ich hoffe in einiger Zeit mehr über meine anlaufenden Projekte berichten zu können und die Vergangenheit zwangsläufig halt in immer weitere Ferne rückt.

Vor 40 (vierzig!) Jahren im Jahre 1978 habe ich mein letztes zweiwöchiges Jungwacht-Sommerlager auf dem Gurnigel Bad verbracht. Habe ich mich im Alter von zwölf Jahren schon zu alt gefühlt für Geländespiele und Zinnhändegiessen im selbstgegrabenen Erdofen?

Ich glaube nicht, aber wahrscheinlich hat sich da bereits mein Hang zum Individualisten oder eher negativ gesagt zum Einzelgänger gezeigt. Jedenfalls habe ich in den folgenden Jahren viele Sachen erlebt, von denen einiges nur ich selber weiss. Und dies soll auch so bleiben.

Nun, vierzig Jahre später bin ich in einem Land dass „nur“ zwölf Flugstunden vom sogenannt ‚alten Kontinent’ entfernt liegt. Alt bezieht sich wahrscheinlich darauf, dass viele „grosse“ Kulturen in Europa und dem auf der selben Landfläche liegenden Asien blühten. Ob die jetzige ‚Kultur’ einmal als GROSS bezeichnet werden kann, wir die Geschichte zeigen und sei jedem selber überlassen.

Btw: Ich glaube nicht, dass die vierzig Grad geknackt werden. Aber 38°C ist auch nicht schlecht. 😉

So 11. November 2018   C.   24° – 38° – 32°   schön

Es geht auf Weihnachten zu, die Läden sind überall dekoriert und es wird immer heisser. Gerade erleben wir ein paar ‚wärmere’ Tage. Am Montag oder Dienstag könnte das Thermometer das erste Mal in dieser Saison die 40° C überschreiten.

Sogar die Einheimischen bleiben am heutigen Sonntag zu Hause im Schatten. Fast keine Leute sind unterwegs. Die Sonneneinstrahlung ist einfach zu intensiv. Dafür sind dann die Strassen gegen Sonnenuntergang und natürlich danach belebt und voller Menschen.

Heute ganz kurz, ein Musik-Video, weil Oldie but Goldie:

Pink Floyd – Shine On You Crazy Diamond

KwT.

Sa 10. November 2018 C. 21° – 37° – 31° schön

Was auffällt, wenn man mit den Leuten spricht, ist dass immer wieder das Wetterphänomen „el niño/la niña“ zu reden gibt. Jeder stärkere Regenfall wird darauf zurückgeführt, obwohl aus wissenschaftlicher Sicht momentan keine besondere Aktivität bekannt ist und diese Gegend normalerweise sowieso nicht direkt betroffen ist. Tatsache bleibt, dass die Leute der Meinung sind, dass die Regenfälle in letzter Zeit intensiver geworden seien. Ob das zutrifft kann ich nicht beurteilen. Das die Niederschläge intensiv, aber nicht allzu häufig sind, kann ich hingegen bestätigen. So ähnlich wie bei einem stationärem Gewitter.

In diesem Zusammenhang habe ich heute mit meiner Vermieterin und ihrem ‚Hausarchitekten’ einen Rundgang durch meine Wohnung gemacht und auf die aus meiner Sicht Schwachstellen hingewiesen. Das Problem ist vor allem das Regenwasser, das bei der erwähnten starken Intensität einige unerwünschte Wege ins Innere findet. Jedenfalls wird der Architekt am Montag mit einer Truppe ‚Angestellter’ Sofortmassnahmen ausführen. Dachreinigung und so. Mittelfristig muss wohl ein Teil des Daches erneuert werden.

Heute habe ich auch noch meine erste Stromrechnung und die erste Wasserrechnung bekommen. Ich bezahle jetzt für die Sechszimmer-Duplexwohnung mit grosser überdachter Terrasse, Strom separat, Wasser separat und Internet separat im Monat insgesamt weniger als 500 Sfr.

In letzter Zeit spaziere ich häufiger abends gegen Sonnenuntergang, wenn es ‚abkühlt’, zum nicht weit entfernten ‚alten Hafen’ von Concepción. Interessant zu beobachten, wie viele Menschen abends einen ‚Schwumm’ im Río Paraguay machen. Bisher konnte ich mich noch nicht dazu überwinden, auch einen Sprung in die Fluten zu machen. Obwohl, der Reiz wäre schon da. Noch hält mich das nicht klare Wasser und die vielen darin treibenden Pflanzen davon ab. Und, dass ich bei meinem ersten Besuch im letzten Jahr, „ungiftige“ Schlangen auf der Wasseroberfläche schwimmen sah, macht es auch nicht einfacher. Ich sag mir dann halt einfach: Wenn andere Menschen darin schwimmen, sollte ich das eigentlich auch können sollen. Ich bin in meiner Kindheit und Jugend auch häufig in Aare, Reuss und Limmat geschwommen.

Fr 9. November 2018   C.   23° – 33° – 28°   schön

Ein Hobby von mir war jahrzehntelang das Sammeln von OL-Karten. Es war im Jahre 2015, als ich die komplette Sammlung an einen Liebhaber für symbolische eintausend Franken verkaufen konnte, so an die dreitausend druckfrische, unbenutzte Einzelexemplare aus der ganzen Welt. Inklusive die kompletten, offiziell erschienenen Karten aus der Schweiz der Jahrgänge 1978 bis 2014. Alle aufbewahrt in grossen DIN A3-Ordnern, alphabetisch katalogisiert und kommentiert.

Von einzelnen Waldteilen sind in diesen sechsunddreissig Jahren bis zu fünfzehn verschiedene Editionen erschienen. Man stellt vor allem fest, dass die Vegetation grossen Schwankungen unterliegt. Anhand der Wegebauten sieht man auch die Veränderungen in der Waldbewirtschftung.

Dies lässt mich darüber nachdenken, wieviele weit über tausend Stunden ich in den Wäldern verbracht habe, mit dem Ablaufen und möglichst genauem Vermessen von aus OL-Läufersicht wichtigen Details. Anschliessend nochmals soviel Zeit für das Reinzeichnen der Druckvorlagen. Ganz zu Beginn noch mit Tuschefedern, dann mit der speziellen OCAD Zeichnungssoftware.

Ich habe nie genau ausgerechnet, wieviele Franken Stundenlohn herausgeschaut haben. Schätzungsweise irgendwas zwischen drei und zwölf Franken, je nachdem. Nichts zum Reichwerden. 😉

Do 8. November 2018   C.   23° – 33° – 28°   schön

Was mir auch immer wieder auffällt, ist wie viel junge Menschen es hier gibt. Kein Wunder, die meisten Frauen gebären ihre Kinder zwischen achtzehn und vierundzwanzig Jahren. Was bedeutet, dass viele Menschen anfang Vierzig bereits Grosseltern sind. Die Geburtenrate liegt noch bei knapp unter drei Kindern pro Frau. Wobei die Schwankungen enorm sind. Es gibt immer noch Familien mit acht bis zwölf Kindern.

In Paraguay gilt Schulpflicht. Grundsätzlich neun Jahre, wobei in den ersten sechs Jahren nur vier Stunden Unterricht pro Tag stattfinden. In zwei Schichten, wegen der vielen Kinder. Das gilt für drei Jahre Unterstufe und drei Jahre Mittelstufe. Ab der siebten bis zur neunten Klasse (Oberstufe) sind es dann immerhin schon fünf Stunden pro Tag. Die Schulfächer sind so ähnliche wie überall, mit dem Unterschied, dass Spanisch und Guaraní Unterrichtsprachen sind. Gynasium und so weiter können folgen. Immerhin Lesen, Schreiben und die Grundrechenarten beherrschen die meisten Leute.

Ein Manko in meinen Augen: Fremdsprachen werden erst ab Stufe Gymnasium erteilt. Darum ist hier Spanischsprechenkönnen ein Muss. Von daher machen meine Studien von verschiedenen Sprachen durchaus Sinn. Es gibt sicherlich sinnlosere Tätigkeiten um die Tage zu gestalten.

Erste Fremdsprache, noch vor Englisch, ist hier eindeutig Portugiesisch, wegen der Nähe zum grossen Nachbarland Brasilien.

Auch eine Besonderheit: Es wird geschätzt, dass bis zu 50% aller angebotenen Ware auf den Märkten als Schmuggelware gilt. Kein Wunder, ist die schon mehrfach erwähnte Korruption Alltag und nicht eine Erfindung von mir. Auch Strom- oder Wasserleitungen illegal anzapfen ist sehr weit verbreitet. Hier in der Provinz werden viele Gesetze ganz anders gehandhabt, als zum Beispiel in der Hauptstadt. Ganz extrem und offensichtlich ist dies beim (existierenden) Strassenverkehrsgesetz sichtbar. Wenn hier einmal die einfachsten Regeln kontrolliert und sanktioniert werden würden, wären die Strassen bald voller Fussgänger.

Mi 7. November 2018   C.   23° – 32° – 28°   schön

Was ich vor nicht allzu langer Zeit über das Abstimmen und Wählen in der Schweiz geschrieben habe, muss ich korrigieren. Nach dem ich die Abstimmungsunterlagen und den Stimmrechtsausweis für die Abstimmungen vom 25. November per „Schneckenpost“ erhalten habe, habe ich zu meiner persönlichen Überraschung gesehen, dass E-Voting angeboten wird. Dieses Angebot habe ich heute wahrgenommen. (Ja, ich bin für die Hornkuhinitiative 😉   )

Das ändert natürlich nichts an der Tatsache, dass potenziell ALLE übers ‚Internet’ laufende Transmissionen manipulierbar sind. Aber praktisch und bequem ist es Alleweil, dass wissen wir alle, die mit digitalen Produkten umgeben sind. Die Daten werden sowieso irgendwo gesammelt und/oder gespeichert. Fragt sich nur, wie sinnvoll es ist solche riesige Datenmengen auch auszuwerten. Von der unfassbar riesigen Ressourcenverschwendung (Energie, Bodenschätze und so…) ganz zu schweigen.

Achtung Ironie:

Es lebe das Internet der Dinge, Cloudcomputing und ihre Geschwister von der „künstlichen Intelligenz!“

KwT.