Tagebuch Paraguay

WOCHE 1

Mo 16. Juli 2018 Asunción 20°(07.00) – 32°(15.00) – 26°(20.00) schön bis leicht bewölkt

Ankunft am Flughafen Silvio Pettirossi um 06.18 Uhr. Angenehmer Flug in der Business-Class!!? Problemloser Transfer zum Palace Hotel, einem aus der Kolonialzeit stammendem Hotel im alten Zentrum von Asunción. Duschen, kurzer Rundgang durchs Quartier, (ein Computer Kabel für den Laptop gekauft. Gute Idee, das in Asunción zu erledigen. Erst im fünften oder sechsten Computershop habe ich das richtige Kabel erhalten, ohne dafür ein ganzes neues Gerät kaufen zu müssen.) Kabel ausprobiert und anschliessend sehr früh schlafen gegangen. (ca. 17.30 Uhr?)

Di 17.Juli 2018 Asunción 22° – 32° – 26° schön bis bewölkt

Sehr früh – ca 04.30 erwacht und aufgestanden. (Jetlag?) Einen fünfstündigen Spaziergang unternommen. Costanero (Promenade am Río Paraguay) – Palacio del Congreso Nacional (Unterhaus, Nationalrat) – Camara de Senadores (Oberhaus, Ständerat)– Estación Central del Ferrocarril (Eisenbahnmuseum) – Hard Rock Café Asunción.
Wie jeden Tag noch ein paar Stunden Spanisch und Englisch gelernt. (Muss ich nicht jeden Tag schreiben, das ist seit Ende Mai 2017 Alltag.)

Mi 18. Juli 2018 Asunción 20° – 30° – 25° schönes, fast wolkenloses Wetter

Ab 09.30 der notwendige Behördenmarathon, der dank der kompetenten Hilfe der von mir im Internet als seriös (gute Nase gehabt) ausgewählten Einwanderungshelferin sehr schnell absolviert war. Ich weiss gar nicht mehr, wie oft ich unterschreiben musste. Wir waren in mindesten zehn verschiedenen Amtsstuben und Banken. Zweimal musste ich ein komplettes Fingerabdrucksortiment abgeben. Nationale Polizei, später noch bei Interpol. Jedenfalls war dieser Marathon nach knapp drei Stunden erledigt. Dank B. M. und ihrem sehr guten Draht auf allen Ämtern. Nun bin ich bereits im Besitz einer provisorischen Niederlassungsbewilligung. 5000 Dollar Depot auf der Nationalbank.
Das Erstellen einer dauerhaften Bewilligung kann zwei oder auch sechs Monate dauern. Oder gar noch länger. Wer weiss das schon?
Erfahrungsgemäss würde es mehrere Wochen(!) dauern, wenn man dieses Hin- und Her alleine und mit (noch) mangelhaften Landessprach- und Ortskenntnissen bewältigen möchte.
Von daher sind die dafür investierten 1200 Euro (inkl. aller Gebühren), gut angelegtes Geld. Man denke nur an die strapazierten Nerven und das stunden- oder gar tagelange Warten auf einen Stempel, bevor man an einem anderen Ort, wieder für noch ein anderes benötigtes Dokument, einen anderen Stempel oder wieder ein noch neueres oder anderes Foto braucht.
Und ich habe gedacht, schlimmeres als die russische Bürokratie (Heiratsvorbereitungen in Moskau anno 2002/2003) gäbe es nicht.
Nachher habe ich mir im Hard Rock Café Asunción (schon wieder!) einen Monster Hamburger gegönnt.

Do 19. Juli 2018 On the road 20° – 35° – 26° schön bis leicht bewölkt

Reisetag. Transfer zum Flughafen Silvio Pettirossi. Übernahme meines für fast vier Wochen gemieteten Autos. Fahrt via Pozo Colorado nach Concepción (ca sechs Stunden, knapp 400 km). Ankunft am Hotel Puerto Seguro um ca.15.00 Uhr.
Zur Feier des Tages habe ich mir eine Flasche Rotwein gegönnt.

Fr 20. Juli 2018 Concepción 16° – 13° – 12° bedeckt, zeitweise sehr leichter Nieselregen

Wo bin ich überhaupt:

https://de.wikipedia.org/wiki/Departamento_Concepción_(Paraguay)

Heute gegen Mittag einen kurzen Erkundungsspaziergang unternommen. Mögliche Mietobjekte am Weg bemerkt. In einem Haushaltswarengeschäft habe ich mich über die Preise und Liefermöglichkeiten von einem Bett inkl. Matratze (140×200), einem Kühlschrank (268 Liter) und einer Waschmaschine (6 Liter) informieren lassen. (zusammen ca. 700.- – 900.-)

Sa 21. Juli 2018 Concepción 7° – 15° – 12° leicht bewölkt bis bedeckt

Das war der bisher „kälteste“ Tag in Paraguay. Süd- Südwest bis Westwind aus der argentinischen Pampa bzw. aus den Anden. (Aber immerhin sind wir mitten im Winter und morgen soll es schon wieder bis 29° geben.)
Auf meinem alltäglichen Spaziergang habe ich mir noch einige potenzielle Mietobjekte vorgemerkt.

So 22. Juli 2018 Concepción 10° – 29° – 21° bewölkt bis bedeckt

Ich habe bemerkt, dass ich sprachlich noch ziemlich unsicher bin. Deswegen stürze ich mich in diverseste Online-Sprachkurse, um an meinem Wortschatz und der Grammatik zu arbeiten.

WOCHE 2

Mo 23.Juli 2018 Concepción 15° – 23° – 15° leicht bis stark bewölkt

Keine besonderen Vorkommnisse. Akklimatisation und ein Bier in einer „Gartenbeiz“.

Di 24. Juli 2018 Concepción 12° – 15° – 13° bewölkt bis bedeckt

An diesem, wie alle drei Tage, etwas Kleines zu Nacht gegessen. Sonst wie jeden Tag nur das inklusive Frühstücksbuffet.

Mi 25. Juli 2018 Concepción 11° – 17° – 14° bedeckt

Abgesehen von einem zweistündigen Spaziergang, keinen besonderen Ereignissen beigewohnt. Nochmals zwei potenzielle Mietobjekte vorgemerkt.

Do 26. Juli 2018 Concepción 12° – 20° – 16° bedeckt

Diesen Vormittag habe ich mich bei ein paar Objektanbietern schriftlich (SMS, WhatsApp) gemeldet. Um die Mittagszeit habe ich mir eine 3-Zimmerwohnung für umgerechnet ca. 170.- angesehen. Alles Nötige (Badezimmer mit WC/Dusche, Küche, Waschecke, Klimaanlage….) vorhanden. Scheint auch ziemlich sauber zu sein. Für eine erste Wohnungsbesichtigung sehr zufriedenstellend.

Fr 27. Juli 2018 Concepción 13° – 23° – 21° anfangs bedeckt, später wolkenlos
(Windrichtungswechsel von Südwest ARG (kühl, eher feucht nach Nordost BRA, warm bis heiss, eher trocken)

Endlich habe ich heute eine Wohnung gemietet (ca. 170.- p/Monat).
Mietvertrag? Ach wo, erste Monatsmiete bezahlt. (+ ca. 85.- Depot)
Drei Zimmer mit Bad/Dusche und allen notwendigen Installationen. (Steckdosen, Split-Klimaanlage) Nachtrag: Wi-Fi funktionierte nicht, habe ich dann halt selber organisiert
Ein Bett (140 x 200), einen Kühlschrank (268 Liter) und eine Waschmaschine (6 Liter), habe ich bestellt und wird, nachdem ich es am Montag bar bezahle, (ca. 820 .-) angeliefert.

Sa 28. Juli 2018 Concepción 17° – 30° – 23° leicht bewölkt bis wolkenlos

Den Spaziergang dem Río Paraguay entlang, den ich bereits im April gemacht habe, wiederholt.
Bei angenehmen fast 30° habe ich mich schon fast wie zu Hause gefühlt . ;-)))

So 29. Juli 2018 Concepción 12° – 22° – 15° leicht bewölkt bis wolkenlos

Den ganzen Tag am surfen und lernen. Telefonrechnung (06/2018) mit Postfinance E-Banking getätigt. Mich schlau gemacht über Bargeldbezug mit Kreditkarte. Kein Problem.

WOCHE 3

Mo 30. Juli 2018 Concepción 8° – 20° – 15° leicht bewölkt bis bedeckt

Die bestellten Möbel habe ich heute bezahlt. (Bett, Kühlschrank + Waschmaschine, alles neu, ca. 800.-) Gratislieferung. Nun muss ich noch einen zum Wasserhahn passenden Anschlussadapter organisieren, sowie Fixleintuch und Bettdecke.

Di 31. Juli 2018 Concepción 11° – 21° – 15° leicht bis stark bewölkt

Bettzeug, Putzmittel und Waschmittel sind besorgt. Morgen werde ich mich ein wenig um die Inneneinrichtung kümmern. Am Donnerstag werde ich voraussichtlich aus dem Hotelzimmer in meine eigene Wohnung ziehen!

Mi 1. August 2018 Concepción 7° – 22° – 15° schön bis leicht bewölkt

Das Bett angezogen. Alles passt. Sogar die zwei Kissenbezüge. Den Kühlschrank mit Milch, Mineralwasser, zwei Bieren und Äpfeln „aufgefüllt“. Ein paar Stunden habe ich auch geputzt. (WC-Schüssel mit Zubehör, drei Lavabos) Die Duschstange und den Duschvorhang werde ich morgen montieren. Hoffentlich passts. Einkaufen in hiesigen Läden ist manchmal etwas speziell. Aber, andere Länder, andere Sitten.

Do 2. August 2018 Concepción 12° – 20° – 15° stark bewölkt bis bedeckt

Endlich wieder Tageslicht! Wechsel vom Hotel in die eigene Wohnung.
Ich stelle fest, dass alles passt, weil sogar die richtige Anzahl Aufhängeringe für den Duschvorhang zum Zubehör gehören! Andere Normen, aber dafür passt auch alles. Nur noch den Wasserhahn muss ich checken. Ich bin mir fast sicher, dass auch das kein grösseres Problem sein wird.

Fr 3. August 2018 Concepción 15° – 19° – 15° nachts ein paar Schauer, nachher bedeckt

Erste Nacht: An die Geräusche muss ich mich erst gewöhnen. Es läuft die ganze Nacht etwas. Zufahrtsstrasse ins Quartier. Sich aufplusternde Hähne und so (ab drei Uhr morgens). Heute kümmere ich mich um eine stabile Internetverbindung. Einen Tisch und einen Stuhl, sowie ein Sofa habe ich von meiner Vermieterin schon angeboten bekommen.Wenns dann soweit ist, schreibe ich dann vielleicht doch noch ein Buch….
Einen Router (ca 80.-) gekauft und installiert. Kein Festnetz nötig. Alles WiFi. Jetzt habe ich 20GB pro Monat (ca 30.-)

Sa 4. August 2018 Concepción 12° – 21° – 15° bedeckt, ein paar Sonnenstrahlen

Ich habe heute den Sprint von der OL-WM in Lettland Live-gestreamt. Ca zweieinhalb Stunden; >4GB! Flatrate gibt es hier (noch) nicht. Maximal 20GB pro Monat. (Zusätzliche sind zwar möglich, müssen aber separat bezahlt werden.) Mal schauen, was passiert, wenn ich über ziehe.
(Update 23.08.2018: das Übliche halt; Tempodrosselung).
FlatRate? Sowas gibt es hier (noch) nicht! Hier lernt man wieder Ressourcen zu sparen. Bytes, Wasser, Strom….
Anderes hingegen: Infrastrukturen, Strassen, Entsorgung, Einkaufstüten usw. Haarsträubend, für zivilisationsverwöhnte Menschen.
Ich glaube, ich werde noch zum Trendsetter mit meiner mitgebrachten Einkaufstasche J:-))))).
Ab morgen wieder ohne Streaming. Ging bis vor kurzem ja auch.

So 5. August 2018 C. 13° – 18° – 15° bedeckt, abends ein schöner Sonnenuntergang

Wohntag. Den ganzen Tag die Wohnung nicht verlassen. Wozu auch.

WOCHE 4

Mo 6. August 2018 C. 11° – 27° – 22° leicht bewölkt bis schön

Endlich bin ich dazu gekommen, den Wasserhahn für den Anschluss an die Waschmaschine zu montieren. Erste Wäsche nach über vier Wochen problemlos.

Di 7. August 2018 C. 14° – 30° – 23° schön, wolkenlos

Keine besonderen Vorkommnisse. Dafür wieder einmal angenehm warme Temperaturen. Die Gebäude hier sind halt schlecht isoliert. Deshalb schwanken die Temperaturen innerhalb von Gebäuden auch im Tagesgang ziemlich beträchtlich.

Mi 8. August 2018 C. 21° – 31° – 22° anfangs schön, dann Windwechsel, böig und bedeckt

Einkaufen und eine mögliche Immobilie in Zentrumsnähe abgeklärt. (Leider schon vermietet) Zentrumsnah heisst ruhiger, aber auch weniger günstig.

Do 9. August 2018 C. 10° – 20° – 22° schön, wolkenlos

Meine Wohnung hat zwar alles, was ein zivilisationsverwöhnter Mensch braucht. Kleine Küche mit Waschabteil, Wohnzimmer und Schlafzimmer mit WC/Dusche (Kaltwasser). Ein grosses Bett, einen grossen Kühlschrank und eine Waschmaschine habe ich auch. Trotzdem bin ich auf der Suche nach einer zentrumsnäheren Unterkunft. Bei der hiesigen Bauweise, (die Häuser sind nirgends isoliert) hört man jedes Geräusch. Zum Beispiel den Hahn, der einiges vor der Morgendämmerung sein Hahnengeschrei loslässt. Es halten hier in diesem Aussenquartier viele Leute ihre eigenen Hühner. Zentrumsnah bedeutet mehr Ruhe, aber auch ein wenig weniger günstig.

Fr 10. August 2018 C. 6° – 22°- 12° kaltstart, aber schön

Heute habe ich die echten Vermieter meiner Wohnung kennengelernt. Sehr freundliche und hilfsbereite Leute. Auch sind sie sehr geduldig mit meinem noch sehr holprigen und lückenhaften Spanisch. Inzwischen bin ich auch Besitzer eines Sofas mit Beistelltisch und Teppich. Nachdem ich am Morgen etwa zwei Stunden mit Herrn und Frau Vermieter gequatscht und Nescafé (viel Zucker, Bääh!) getrunken habe, bin ich in die `Stadt` gefahren und habe mir einen Wasserkocher und Nescafé gekauft. Bin halt immer noch ein Kaffee-Junkie. (Es gibt glaube ich, Schlimmeres)
Übrigens habe ich auch meine zwei Nachbarn aus der Parterre-Wohnung kennengelernt. Zwei junge Amerikaner die im Auftrag der US-amerikanischen Mormonen-Kirche „missionieren“. (Viel Spass, mich müsst ihr nicht bekehren!)
Die Kirche befindet sich gleich nebenan. Jetzt lerne ich Spanisch und kann erst auch noch mein Englisch anwenden. Gegen Abend mit dem Vermieter (Hugo) noch eine ausgedehnte Rundfahrt durch die Aussenquartiere von Concepción unternommen. Unter anderem noch einen neuen Duschkopf gekauft und installiert. Warmwasser wird im Duschkopf hergestellt. Die Zuleitung ist immer Kaltwasser.
Meine erste parrilada. (traditionelles paraguayanisches Grillfest)

Sa 11. August 2018 C. 8° – 26° – 20° schön, wolkenlos

Gestern ein Fleisch-Pasado (Mix-Wurst, Huhn und Rindfleischbrocken) und heute ein Fisch-Pasado mit frischen Fischen aus dem Rió Paraguay. Ausgeweidete Gürteltiere und anderes Getier wurde am Strassenrandmarkt auch angeboten. (So etwas zu Essen ist wahrscheinlich nur etwas für Profis bzw. für Menschen die sich nichts anderes leisten können!)

So 12. August 2018 C. 12° – 32° – 23° schön, wolkenlos

Gegen Mittag sind wir (die Vermieterfamilie und ich) einige Kilometer ausserhalb der Stadt und einige Kilometer ab der Haupstrasse (Offroad) eine verwandte Bauernfamilie besuchen gegangen. Nach einem Rundgang durch den Hof (glückliche Hühner, Schweine und Kälber/Kühe, schattenspendende und früchtetragende Orangen- und Papayabäume, ein Zuckerrohrfeld als Futter für die Kälber – schmeckt auch lecker und leicht süsslich zum dranknabbern und saugen), schon das nächste Asado (Grillfest) mit Bergen von Würsten und Rinderteilen.

WOCHE 5

Mo 13. August 2018 on the road 13° – 30° – 23° schön, wolkenlos

Mietauto von Concepción zum Flughafen Pettirossi in Asunción gefahren.
Sich anmelden im Schweizer Generalkonsulat ist nicht möglich. (Keine Kompetenzen und die zuständige Botschaft befindet sich in Buenos Aires, der Hauptstadt von Argentinien!! Na gut, dann kann ich halt nicht über eine Verfassungsänderung zugunsten von Velorouten und ähnlich überlebenswichtigen Sachfragen abstimmen. Wieder etwas, dass es nicht wirklich zu bedauern gibt.
Die, für in meinen über dreissig Jahren schweizerischen Direktdemokratieerfahrung wichtigste , weil eine Grundsatzfrage jeden Staates betreffende Abstimmung, fand im November 1989 statt. Die sogenannte Armeeabschaffungsinitiative. 36,5% Ja zur Abschaffung der Armee, bei aussergewöhnlich hoher Stimmbeteiligung. Damals musste ich jedes Jahr in den Wiederholungskurs.
Busticket (knapp 16 Franken für die sechsstündige Rückfahrt) gekauft.

Di 14. August 2018 Asunción 17° – 20° – 17° anfangs Gewitter, nachher leicht regnerisch

Fast den ganzen Tag im Hoteleigenen Café (die südamerikanische Version von Starbucks: Juan Valdez) mit Lesen verbracht. Jeweils eine kleine Fasche Weiss- und Roséwein getrunken.

Mi 15. August 2018 Asunción + on the road 19° – 26° – 18° wechselnd bewölkt

Präsidentenamtsübergabe von Horacio Cartes an Mario Benito (Marito) Benítez. (Die Partei nennt sich Colorado, neoliberal und sehr konservativ. Korrupt sind sie aber in allen Parteien. Solch eine Vetternwirtschaft wie hier in Paraguay habe ich noch nirgends erlebt. Aber, andere Länder , andere Sitten) Seit fast hundert Jahren – mit einer kurzen Unterbrechung – am Regieren. U.a. auch der Militärdiktator Alfredo Stroessner von 1954 – 1989)
Die Innenstadt ist heute faktisches Sperrgebiet. (VIPs!!! Die Präsidenten von Brasilien, Argentinien, Bolivien usw.) Zum Glück betrifft mich das nur indirekt. Der Bus konnte deswegen nicht die gewohnte Route fahren und erhielt darum mindestens eine Stunde Verspätung.
Sechstündige Busfahrt nach Concepción. Ein unerwarteter „Luxus“, mit mehrfacher Bedienung am Sitzplatz (On-Board Entertainement, Getränke + Snacks, all inclusive 15.80.-, für eine sechstündige Busfahrt und Auslad praktisch vor der Haustüre.)

Do 16. August 2018 C. 16° – 27° – 23° schön, wolkenlos

Dolce far niente – oder viel eher: Stunde um Stunde Spanisch gelernt (+ ein wenig Englisch).

Fr 17. August 2018 C. 17° – 31° – 23° schön, wolkenlos

Ausser meinem Vorrat an kalter Milch und ein paar Äpfeln hat es keine Lebensmittel mehr in meinem Haushalt. Also werde ich morgen Vormittag in die Stadt laufen müssen und einkaufen gehen.
(Nachtrag: Wir sind am Abend um ca halb neun Einkaufen gefahren)
Heute habe ich noch Español—-Alemán, Español—-English und Español—-Guaraní ins Lernprogramm aufgenommen.
Eigentlich müsste Guaraní hier Jopará (wörtlich: Mischung, Gemischtes) heissen. Gesprochen ist es eine Mixtur aus Spanisch und Guaraní. (Guaraní/Jopará wird von ca. zwei Millionen Leuten gesprochen)

Sa 18. August 2018 C. 19° – 33° – 26° schön bis leicht bewölkt

Juni bis August sind die „kältesten“ Monate in Paraguay. Das macht sich vor allem durch die stark schwankenden Temperaturen bemerkbar. Concepción liegt knapp nördlich des südlichen Wendekreises. Bsp.: Heute 19°- 33°, morgen 20°- 27°, am Montag 9°- 10°, am Dienstag 8°- 9°, am Mittwoch 9°- 13°, am Donnerstag 12°-29°…..und so weiter. Anschliessend sollte es wieder ausgeglichener werden. D.h.: ca. 20°(25°) – 32°(36°).

So 19. August 2018 C. 20° – 27° – 10° wolkig bis bedeckt, einige Regenschauer

Von Heimweh keine Spur. Hat wahrscheinlich auch damit zu tun, dass ich von morgens früh bis am Abend am lernen bin, wenn ich nicht wieder gerade an einer Grillparty am Essen bin ;-)) .
Fleisch oder Fisch, hartes Brot für Vegetarier oder gar Veganer, wobei Früchte und Gemüse gibt es auch in Hülle und Fülle.

WOCHE 6

Mo 20. August 2018 C. 9° – 10° – 10° bedeckt und kurze Regenschauer

Ein sogenannter Tag, an den man keinen Hund vor die Türe schickt. Der erste solche Tag seit ich hier bin!
Ideal um zu Hause zu lernen! Heute sind tatsächlich noch einige erstmals gehörte Wörter dazugekommen.
BTW: Täglich 3 x 50 Klappmesser, 3 x 10 Kniebeugen, 3 x 50 Liegestützen und diverse Dehnungsübungen. Zum Spagat wird es trotzdem nicht mehr reichen. (Immer, jeden Tag, morgens, mittags, abends!! Und das schon seit fast vier Jahren. Dass heisst, seit meiner achtmonatigen Arbeitslosigkeit)

Di 21. August 2018 C. 8° – 9° – 9°
trüb und manchmal feucht-nass (der hiesige Winter ist der kälteste seit Jahrzehnten!!)

Verstehen tue ich jetzt auch, warum „die Südländer“ als glücklich und/oder fröhlich betrachtet werden. Das Wetter/Klima hat bestimmt einen sehr grossen Einfluss. Das merkt man an Tagen wie heute, wo es „kalt“ und nass ist. Niemand geht heute nach draussen, wenn es nicht unbedingt erforderlich ist. Sonst spielt sich das Leben nämlich meist draussen ab. Und heute ist es ’seltsam‘ ruhig. Obwohl, drinnen ist es auch nicht viel wärmer (die Häuser sind nirgends isoliert), dafür immerhin trocken. Und, der kühlen Tage sind meist auch nur zwei oder drei hintereinander.

Mi 22. August 2018 C. 9° – 13° – 12° anfangs bedeckt, später aufgelockert

Kurzer E-Mail Verkehr mit der Botschaft in Buenos Aires. (Der Anstoss kam von dort) Nachdem der Download des in Papierform und persönlich signiert einzureichenden Formulares mehrmals fehlgeschlagen ist (verschiedene Browser), wurde mir das Formular elektronisch zugesandt, so dass ich es in einem ortsansässigen Internetcafé ausdrucken kann, (ich habe noch keinen Drucker) und anschliessend per Briefpost an die Konsularabteilung der zuständigen Botschaft in Buenos Aires einsenden kann.
Anscheinend wird grossen Wert auf schweizerische Korrektheit gelegt. Zum Glück habe ich neunzig Tage Zeit für die Anmeldung!
Es nähme mich eigentlich Wunder, was passieren würde, wenn ich mich nicht ordnungsgemäss anmelden würde.

Do 23. August 2018 C. 12° – 29° – 24° anfangs noch nebelartige Bewölkung, später sonnig

Heute Morgen, als noch Restnebelschwaden die Sonnenstrahlen nicht vollständig durchliessen, bin ich die etwa drei Kilometer ins Stadtzentrum gelaufen. Als praktisch einziger Fussgänger. Die meisten fahren auf ihren Rollern oder Motorrädern. Manche alleine, andere zu zweit, zu dritt, zu viert und manchmal sogar zu fünft, plus das Gepäck.
Helme? Wozu! (Helme sieht man, aber nur ganz selten)
Blinken beim abbiegen? Wozu! (Blinken beim abbiegen ist noch seltener)
Einspuren? Was ist das? (Theorie- oder gar Fahrprüfungen sind nicht vorgeschrieben, den Ausweis muss man einfach beantragen und jährlich eine Gebühr bezahlen.)
Der Verkehr funktioniert auch so. Auch weil die Durchschnittsgeschwindigkeit nicht sehr hoch ist. (Schlaglöcher, Bumpers und so…..)
Ausdrucken der benötigten Dokumente für die Botschaft in Buenos Aires ab E-Mail Account im Internetcafé, Monatsrechnung beim Provider an der Kasse bar bezahlt, einige Einkäufe im Supermarkt erledigt.
Dann die drei Kilometer wieder zurückmarschiert. Diesmal um ca. elf Uhr bei schon ziemlich hohen Temperaturen und an der prallen Sonne.
Heute habe ich auch zum ersten Mal ein längeres Telefongespräch in Spanisch geführt. Und zwar mit der Hotline meines Internetproviders. Alles ist gut gegangen. Ich wollte Spanisch sprechen, der Callcenter-Mitarbeiter sein holpriges Englisch. Auf jedenfall ist das Resultat ziemlich befriedigend ausgefallen.

Fr 24. August 2018 C. 22° – 28° – 19° schön, später wechselnd bewölkt bis bedeckt

`Die Seele baumeln lassen`,ein Spruch, der im Moment auf mich zutrifft. Ich habe keinen Stress, wenn man davon absieht, dass ich mein mir selbst vorgegebenes Lernpensum und mein `Gymnastikprogramm` (Siehe 20.08.2018) niemals vernachlässige.
Was ich mittel- und langfristig machen werde, ist noch lange nicht entschieden. Auf jeden Fall habe ich nicht das Bedürfnis dem Geld nachzurennen.
Motto: Geld kann man nicht essen. (Man kann, aber davon gibt es bestimmt Bauchschmerzen 😉 Da probiere ich doch eher das Gürteltier. Siehe 11.08.2018)
Jetzt (ca. 15.30 Uhr) ist gerade eine etwa aus zwanzig Fahrzeugen mit abgedunkelten Fenstern und Polizeibegleitung bestehende Armada auf der Hauptstrasse vorbeigerast. Vermutlich irgendein sogenannter VIP, unterwegs zum kleinen Flugplatz, der nicht allzu weit von hier entfernt ist.
Nachtrag 26.08.2018: Es war der neue Staatspräsident auf Stippvisite im Rebellengebiet. Quellen:

https://www.wochenblatt.cc/neue-wege-in-altem-terrain/

https://www.eda.admin.ch/eda/de/home/vertretungen-und-reisehinweise/paraguay/reisehinweise-fuerparaguay.html

Sa 25. August 2018 C. 10° – 20° – 15° schön, wolkenlos

Der Verkehr spiegelt auch schön die „Gesellschaftsklassen“ hier im Land wider.
Sehr vereinfacht wiedergegeben:
Upperclass: Ganz zuoberst die importierten SUVs und PickUps mit ihren getönten Scheiben. (sehr teuer)
Middleclass: Diverse Autos aller Marken, Jahrgängen und technischen Zuständen. (ziemlich teuer, auch Occasionen, weil fast alles importiert —> hohe Zölle)
Lowerclass: Viele Motorräder und noch mehr Roller sind auch in den verschiedensten Varianten zu sehen. (erschwinglich, das hat auch damit zu tun, weil hier wirklich alles in 6-, 12-, oder 24 Raten, ohne Anzahlung beglichen werden kann, meist Chinaproduktion.)
The poor: (Noch ziemlich) häufig vertreten sind auch die mit einem Pferd, einem Esel oder einer Kuh bespannten Einachser. Es gibt auch Zwei- oder Dreispännige mit Pferden bespannte Einachser. (unkaputtbar)
Ausserkontinentale Ausländer oder sonstige „schräge Vögel“: Daneben sind auch ein paar Fahrräder und relativ wenige Fussgänger vertreten. Ich habe sogar schon High-Tech Mountainbikes gesehen. Ideales Gelände dafür. Viel Offroad.
Kuzstrecken-ÖV gibt es nur in den grössten Städten.
Langstrecken-ÖV wird mit Bussen aufrechterhalten. Ziemlich billig und in alle Regionen.
Eisenbahnverkehr gibt es nicht mehr. (Paraguay soll das erste Land in Südamerika gewesen sein, mit einer Eisenbahn. Anno Achtzehnhundertirgendwas. Die mehr als 300 km lange Strecke (Asunción – Encarnación) wurde vor einigen Jahrzehnten stillgelegt und das ehemalige Trasse wird jetzt teilweise zur „Schnellstrasse“ umgenutzt. Viele, alte rostige Dampfloks stehen noch in diversen Freiluftdepots herum.

So 26. August 2018 C. 10° – 21° – 14° schön, wolkenlos

Am heutigen Morgen habe ich zum ersten Mal einen längeren Stromausfall erlebt. (ca. 45’)
Soeben ist ein Laster des staatlichen Stromversorgers ANDE mit einem abgeknickten Betonstrommasten vorbeigetuckert. Dem vermutlichen Auslöser dieses Stromausfalles.
Alle Leitungen sind hierzulande noch oberirdisch verlegt. Das Leitungsnetz ist folglich auch pannenanfälliger. Aber, der Pikettdienst hat sehr gut funktioniert. (Heute ist Sonntag!)
Heutzutage, wo auch hier immer mehr Leute einen eigenen Kühlschrank, eine Klimaanlage, W-LAN-Router und andere „lebenswichtige“ Geräte haben, ist eine möglichst zuverlässige Versorgung unerlässlich. Die Verlockungen des modernen Lebens halt. Und zwei, drei Blocks weiter, leben die Menschen von dem, was die Umgebung hergibt: Fische, jegliches Wild (Schlangen, Reptilien, Insekten, Säugetiere), Früchte und anderen an Bäumen, Sträuchern und im und auf dem Boden wachsenden essbaren Dingen. Kein fliessendes Wasser bedeutet auch kein WC, keine warme Dusche und und und…
Aber immerhin haben alle ein Dach über dem Kopf. Und auch wenn es hier praktisch keinerlei öffentliche Sozialversicherungen gibt (nur so etwas ähnliches wie Sozialhilfe und Lebensmittelmarken für die Allerärmsten) und auch nur sehr wenige Arbeitplätze, die dann auch allermeistens ziemlich schlecht entlöhnt sind, so ist halt die in der Regel grosse Familie zuständig, damit niemand auf der Strasse leben muss. Bettler oder Obdachlose habe ich hier noch nirgends gesehen. Dafür sehr viel Klein- und Kleinstgewerbe.
Der offizielle Mindestlohn beträgt momentan etwa 370.-/Monat, bei ca. 45-70 Stunden und meist sechs Tagen – je nach Branche – pro Woche. Das muss häufig für die ganze Familie (4- 10 Personen) reichen, da es, wie bereits geschrieben, viel zu wenige anständig bezahlte Arbeitsplätze gibt.
Übrigens, meinen Kaffee trinke ich auch nur mit abgekochtem Wasser! Ab Wasserhahn trinken nicht einmal die Einheimischen.
Más tranquilo!!

WOCHE 7

Mo 27. August 2018 C. 6° – 26° – 19° schön, wolkenlos

Es scheint die letzte kalte Nacht (hoffentlich) gewesen zu sein. Tagsüber ist es bis auf ein paar wenige Male immer mindestens angenehm warm bis sehr warm. In diesen nicht isolierten Häusern, kühlt es am Morgen doch empfindlich ab.
Ok, man könnte die Klimaanlage auch zum Heizen gebrauchen, aber das lohnt sich meiner Ansicht nach nicht. Spätestens zwei bis drei Stunden nach Sonnenaufgang ist wieder das T-Shirt angesagt. Weicheier (und Verliebte) bleiben besser länger im Bett!!
Am Vormittag bin ich auch noch eine Stunde zur „Hauptpost“ marschiert und habe endlich meine nötigen Formulare und Dokumente, inklusive meiner CHE-ID als Einschreiben an die Konsularabteilung der Botschaft in Buenos Aires, Argentinien geschickt. Sogar das Online Tracking + Tracing der DINACOPA (Paraguayanische Post) funktioniert.
Übrigens, da ich keine ’normale‘ Adresse habe, habe ich der Botschaft meine GPS-Daten angeben: S 23.428590 W 57.431479
Ich habe mich auch erkundigt, ob es eine Postzustellung gibt, ohne richtige Adresse. Dass soll funktionieren; wenn man seine Telefonnummer angibt, dann wird man angerufen und der Briefträger bringt zur verabredeten Zeit die Post ins Haus. Aber ein üblicheres Vorgehen ist „Vorname, Name, poste restante, 8700 Concepción, Paraguay“. So wie früher halt, vor dem „Smartphone und E-Mail“ Zeitalter.
Auf dem Rückweg bin ich einer echten Vespa© begegnet.

Di 28. August 2018 C. 14° – 34° – 25° schön, einige wenige Schäfchenwolken

Das Thema Wetter lässt mir keine Ruhe. Die kalten (<10°) Nächte scheinen nun doch endlich der Vergangenheit anzugehören. Obwohl es nur eine Handvoll davon gab und die Nachmittagstemperaturen bis auf ein paar Ausnahmen immer > als 20° betrugen, so sind die Temperaturschwankungen im Inneren der Häuser doch recht unangenehm. Der hiesige Winter dauert von Juni bis August.

Beispiel: Heute Morgen war es in der Wohnung nur ca. 16° – 17° warm. Am späteren Nachmittag waren es dann schon 27° – 28°, bei Aussentemperaturen von 34°.
Die leichtbauweise der meisten hiesigen Häuser sind halt auf warmes bis heisses Klima ausgerichtet.
Während meiner bisherigen Besuche des Landes im Mai 2017, im Oktober/November 2017 sowie im April 2018 war es immer sehr warm bis heiss.

Mi 29. August 2018 C. 25° – 38° – 30° schön, einige wenige Schäfchenwolken

Schon wieder Wetter!….??? (Das ist mein öffentliches Tagebuch, nichts Privates hier, siehe Über auf der Startseite)
Heute ist der erste Tag, den man als heiss betrachten könnte: 38°.. Endlich bin versucht zu sagen.
Ein Zeitindikator sind auch die sechs bis acht freilaufenden Kühe, die jeden Tag, so zwischen halb zwölf und halb eins aus diesem Quartier über die Hauptstrasse ins benachbarte Quartier trotten. Ich muss jedes Mal denken: „Scho weder Mittag!“
Die Zeit scheint mir nur so zu fliegen. Langeweile kenne ich zum Glück nicht.
Jetzt ist es schon wieder bald acht Uhr am Abend und ich bin immer noch am Tun. Ein Tag sollte manchmal halt mehr als vierundzwanzig Stunden haben. Das alles passiert ohne (produktiv im Sinne der Wirtschaft) „zu arbeiten“.

Do 30. August 2018 C. 22° – 38° – 32° schön, mässiger und böiger Nordwind

Ein „Elektriker“ hat heute die Alarmanlage meines Wohnungsvorgängers demontiert, und sie sogleich in der Parterrewohnung wieder installiert. Die Chefs der Mormonen (Kirche Jesu Christi der Heiligen der letzten Tage) in den USA schreiben das so vor.
Ich nehme einmal an, ohne Kenntnisse Vorort.
Welche Schätze es da wohl zu verbergen gibt?
Habe ich eigentlich schon einmal erwähnt, dass rund um die „Mormonen-Kirche“ (zwei grosse Gebäude) der einzige grüne, bewässerte und kurzgeschittene Rasen weit und breit existiert?
Auf dem Rasen ein grosser Parabolspiegel? Mit Ausrichtung NNW. Salt Lake City, der Mormonenhaupstadt?
Daneben ein Basketballfeld vom Feinsten.
Und rund um das Gelände ein hoher Zaun?
Soviel zum Thema „Kirche“, Geld, Moral und Ethik.
KwT.

Fr 31. August 2018 C. 26° – 32° – 22° schön, wolkenlos

Zum Thema Einkaufen: Momentan bin ich ja ohne Fahrzeug, von daher ist ein wenig mehr Organisation notwendig.
Gleich auf der anderen „Strassenseite“ gibt es ein kleines Lädeli für den täglichen Bedarf. (Flüssigkeiten jeglicher Art, „Brot“ usw.)
Für die grössere Auswahl (Lebensmittel, Putz- und Waschmittel usw) ist ein etwa fünfundzwanzigminütiger Fussmarsch zum Supermarkt nötig (pro Weg) nötig.
Letztes Mal war gerade ein Stromausfall und damit die Scanner nutzlos. An der Kasse waren durchschnittlich drei bis vier Personen pro Kunde damit beschäftigt, die Preise der Produkte herauszusuchen. (Am Gestell oder beim Chef nachfragen) Die bemitleidenswerte Kassiererin schrieb alle Preise auf einen Block, um sie anschliessend zu addieren.
Ich habe nicht nachgerechnet, (bei diesen Preisen lohnt sich das gar nicht und als Geizhals bin ich glaube ich auch nicht berüchtigt) aber ich habe mich dann an meine Zeiten (+/- erste Hälfte der 90er-Jahre) im Provisorium des Kioskes Perronhalle im Zürcher Hauptbahnhof und das dannzumal unabdingbare Kopfrechnen erinnert. (Kein Scanning, kein in die Kasse tippen, nur Schubladen mit dem Geld drin)
Und, für die restlichen Annehmlichkeiten lässt sich ein Besuch im Stadtzentrum nicht umgehen. (Zu Fuss je ca: 40’, mit dem Auto knapp 5′)
Wobei zu sagen ist, dass ich den bereits mehrmals angebotenen Fahrdienst meiner Vermieterfamilie noch nie beansprucht habe.

Sa 1. September 2018 C. 14° – 16° – 12° bedeckt, nachts gewittrig mit Regen

Das heutige Thema: Wasser in den Vorratsbehälter aufs Dach pumpen.
Seit gestern Nachmittag ist kein Wasser mehr aus meinen Wasserhähnen geflossen. ‚Da schlafe ich mal darüber‘, das war so mein Gedanke.
Als heute morgen immer noch kein Wasser geflossen war, wollte ich mir im Haus Hilfe holen, aber Fehlanzeige: Alle übers Wochenende ausgeflogen.
Dann habe ich mir halt per WhatsApp beim Vermieter (Hugo, der arbeitet jeweils mehrere Wochen im ca. fünf bis sechs Stunden entfernten Asunción) eine fernmündliche Instruktion geben lassen.
Im Garten ist gut getarnt ein kleiner Elektrokompressor, der das Leitungswasser ab Hauptleitung (und via Wasserzähler) in den grossen Wassertank auf das Dach pumpt. Nun habe ich wieder fliessendes Wasser!
So ist auch immer genügend Druck auf der Leitung in meiner Wohnung im ersten Stock. Vorausgesetzt, es hat Wasser im Tank.
(Die allermeisten Gebäude hier ausserhalb des Zentrums sind einstöckig. Ich bin wieder einmal der Aussenseiter 😉

So 2. September 2018 C. 11° – 15° – 12° bedeckt, zeitweise leichter Nieselregen

Morgen werde ich mir noch einen Staubsauger besorgen. Nach vier Wochen in dieser Wohnung, ist dass glaube ich angebracht,
Auch werde ich mir einen Kleiderschrank anschaffen. Das Leben aus den Koffern soll ein Ende haben. Ich glaube, ich bin hier am richtigen Ort. Ein Umzug ist vorläufig nicht geplant. Aber, wer weiss das schon?
Ich muss jeden Tag wieder über mich selbst staunen. Jeden Tag den ich zu Hause verbringe, bin ich mindestens zehn bis zwölf Stunden am Pauken. Abwechslungsweise Deutsch – Spanisch, Deutsch – Englisch, Español – Deutsch, English – Español oder Español – Guaraní. Siehe: 17.08.2018
Zwischendurch bin ich immer wieder am Lesen (meist Online): Nachrichtenseiten, Blogs usw……(meist auf Deutsch, sometimes in English, o a veces en Español)

Vom Videoanschauen bin ich wieder weggekommen. Ich kenne sowieso keinen Film, der besser ist als die Literaturvorlage. Beim Lesen wird das Denken und die Phantasie auch viel stärker angeregt. (Btw: Videos verbrauchen auch zuviele Megabytes, dh. auch Strom —-> Ressourcen, Siehe: 4.08.2018)
Motto: Nachdenken, Hinterfragen……
Für meinen mitgeführten Füller habe ich noch extra einen grösseren Vorrat an Tintenpatronen mitgebracht. Ich will das von Handschreiben pflegen.
Ich finde es sinnvoll, sowohl die digitale, wie auch die analoge Welt zu nutzen. Einseitiges Denken hat noch nie zu einem guten Ende geführt.

WOCHE 8

Mo 3. September 2018 C. 13° – 19° – 17° wechselnd stark bewölkt bis bedeckt

Beim nachhauselaufen aus dem Zentrum, (Bargeldbezug, einen Kleiderschrank und einen Staubsauger, etwas „Brot“ fürs Sandwich) bin ich meinen Nachbarn – den Missionaren – begegnet, die, wie es sich für eine seriöse „Kirche“ gehört im weissen Hemd mit Krawatte und Namenschild umherliefen. Die zwei sind noch sehr jung, (aus Utah und Arizona) mussten ihre Reise selber bezahlen und konnten noch nicht einmal selber bestimmen in welches Land oder welchen Kontinent sie für zwei Jahre entsandt werden. Arbeiten tun sie zu Gottes-, Pardon, Mormons -Lohn.
Aber ansonsten nette Jungs, wobei der eine von beiden nicht vergass, mich zu fragen, ob ich die mir gegebenen Bücher „Das Buch Mormon bzw. El libro de Mormón“ auf Deutsch oder Spanisch schon gelesen hätte.
Naja, ich habe sicherlich schon tausende von Büchern gelesen, aber sei es Bibel, Koran oder was auch immer in diese Richtung gehend; diese Bücher sprechen mich in keiner Art und Weise an. Sie berühren mich nicht. Ich glaube auch nicht an Feen, Einhörner, das Christkind, den Osterhasen oder Werwölfe.
Das Grundgesetz, die Verfassung oder The Constitution haben ja auch nur sehr wenige Leute richtig gelesen. Von den abstrusen Satzkonstruktionen und Worthülsen gar nicht zu reden.
Der Kleiderschrank wurde geliefert und zwei Stunden später von zwei auf einem Roller daherbrausenden Männern im Akkord zusammengesetzt.
Hersteller: http://www.henn.com.br Das scheint das südamerikanische Pendant zu IKEA zu sein.
Wie auch immer, alle meine mitgebrachten Kleider haben Platz gehabt.
Und die Wohnung habe ich auch zum ersten Mal gestaubsaugt. Morgen steht eine Generalreinigung an.
Das mit dem Buch schreiben wird tatsächlich immer wahrscheinlicher. Ich muss mich mal ernsthaft damit auseinandersetzen.

Di 4. September 2018 C. 15° – 25° – 17° anfangs Restbewölkung, dann schön

‚Home sweet Home’, so etwa könnte das Motto des heutigen Tages zusammengefasst werden. Ausser meinen Flüssigkeitsvorrat im ‚Lädeli’ gegenüber zu ergänzen, (wahrscheinlich bin ich einer der profitabelsten Kunden) habe ich heute das Haus nicht verlassen.
Dafür ist Putzen angesagt. Mein Vorgänger hat in dieser Beziehung wohl kein Flair gehabt. Dabei ist der Aufwand doch gar nicht so gross und plötzlich sieht alles viel attraktiver aus. Ich habe es sogar soweit gebracht, dass immer heisses Wasser zur Dusche rauskommt. Falls Bedarf besteht. Bei diesem Klima ist eine ‚kalte Dusche’ meistens schon fast erwünscht. Das erfrischt nicht nur den Körper, sondern zum Glück auch den Geist.
Und ganz unter uns: Als ehemaliger OL-Läufer bin ich es gewohnt, mich kalt zu duschen.

Mi 5. September 2018 C. 12° – 27° – 20° schön, wolkenlos

Ein paar Sätze noch zu meinem Wohlbefinden, nachdem ich jetzt bald acht Wochen in Paraguay bin:
Also grundsätzlich muss ich sagen, dass es mir hier gefällt und es mir persönlich sowohl mental, wie auch physisch sehr gut geht.
Ich komme gut zurecht, auch wenn es mit der Sprache halt nicht so schnell vorwärts geht wie manche glauben. Das hat zum Beispiel damit zu tun, dass erstens ziemlich schnell gesprochen wird und zweitens die Leute dazu tendieren Guaraní untereinander zu sprechen. Und diese Sprache hält sich an keine Regeln von Sprachen die unsereins so kennt. Zum Glück kommen auch immer wieder spanischklingende Wörter darin vor. Es gibt noch viel zu tun!
Von daher ist meine Voraussage, dass ich mich die ersten paar Monate nicht auf Experimente einlasse, die Richtige.
Wo und wie wohne ich?:
Ich habe mich dagegen entschieden mich im Zentrum niederzulassen. (Da wo des Konsumenten Herzen höher schlägt. Es ist auch hierzulande alles erhältlich oder zumindest bestellbar.)
Concepción ist eine Stadt, die man mit der Grösse von Baden vergleichen kann. Ein Aussenquartier habe ich für mich vorgezogen, auch deshalb, um näher an den Leuten zu sein. Siehe mein mögliches Projekt auf http://www.facebook.com/pius.heimgartner
Daher lebe ich jetzt im Barrio Santo Domingo, unweit der grossen Brücke über den Río Parguay. https://www.instagram.com/p/BhlstjzlmjT/?taken-by=piusheimgartner Die Menschen hier gehören meist eher zur paraguayanischen Mittel- oder Unterschicht. Der Menschenmix ist jedenfalls offensichtlich.
Was besonders auffällt: Nebst den vielen Kindern und jungen Menschen; Tiere. Fast jeder Haushalt hat hier einen Hund. Wozu eigentlich? Als Wachhund taugen die meisten eh nicht, es ist sowieso allermeistens jemand zu Hause. Und ich höre lieber Musik, als das Bellen von grossen und/oder kleinen Hunden. Aber wahrscheinlich verstehe ich das nicht. Schon immer war ich eher der Katzentyp. Mit Hunden konnte ich noch nie etwas anfangen.
Und auf der Strasse kann man auch freilaufenden Pferden, Kühen, Eseln, Schweinen, Hühnern und so weiter begegnen. Die Bremer Stadtmusikanten lassen grüssen.
Zur Beruhigung: Reptilien, Schlangen oder so sind mir noch keine begegnet. Jedenfalls nicht in besiedeltem Gebiet. Update 11.09.2018: Gestern hat sich eine südamerikanische Riesenheuschrecke (Tropidacris collaris) auf dem Balkongeländer gesonnt. Ca. 10 Zentimeter Rumpflänge. Beeindruckend, aber harmlos!
Meine Wohnung gehört nach hiesigen Standards zu den luxuriöseren Einrichtungen. Im Vergleich zu schweizerischen Gewohnheiten ist die Inneneinrichtung aber doch eher schlicht.
Ein Bad mit WC, Lavabo und Dusche, eher klein.
Ein Schlafzimmer mit viel Platz und Aircondition.
Ein Wohnzimmer mit genügend Platz für einen Schreibtisch (wo ich jetzt dran sitze) und ein Ecksofa.
Eine grosse Küche mit Waschecke. Zwei Lavabos.
Die Wohnungen sind in der Regel unmöbliert, dh. zB. auch ohne Herd und Kühlschrank und so weiter.
Alle Räume besitzen zusätzlich Deckenventilatoren und viele Steckdosen.
Und wie gesagt, alles im ersten Stock und einer Monatsmiete von ca. 170.-Sfr/inkl. Strom, Wasser…..

Do 6. September 2018 C. 13° – 31° – 22° schön, wolkenlos

Etwa zwei Kilometer entfernt von hier, kurz vor der Puente Nanawa über den Río Paraguay befindet sich der Hafen, von wo sich die Schiffe via Asunción und später dem Río Paraná bis nach Buenos Aires (Río del La Plata) bewegen. Dort erfolgt der Umlad auf die Hochseeschiffe, welche die Häfen dieser Welt ansteuern.
Und eben bei diesem Hafen befindet sich ein grosses Schlachthaus, wo täglich ca. 2’500 Stück Rindvieh geschlachtet werden. Das erklärt auch die Dutzenden von überlangen, mit lebenden Rindviechern beladenen Lastwagen, die Tag und Nacht auf der Hauptstrasse in der Nähe meiner Unterkunft vorbei brausen. http://www.frigorificoconcepcion.com.py/en
Nun gut, über die Produktionsbedingungen im realen, globalisierten Kapitalismus sind schon viele Bücher gefüllt worden.
Ich wünsche auf jeden Fall „En Guete“ beim Verzehr des Premiumfleisches an der nächsten Grillparty oder im Restaurant. Das hiesige Grillfleisch würde in der „ersten Welt“ gar nicht erst auf den Markt gelangen, weil es der Konsument nicht wünscht oder vielleicht nur nicht kennt?
Das erinnert mich daran, wie ich noch im Juli in der Gartenbeiz des Restaurantes Steinenbühl gesessen bin und das als einmalige Spezialität angepriesene Krokodil-Steak bestellt und gegessen habe. (Schmeckt übrigens fast wie Pouletfleisch)
Rund herum neugierige Blicke, aber keine einzige Person, die auch mal so etwas ‚Exotisches’ probieren würde. (Keine Angst, das Krokodil beisst nicht mehr)
Da bleibt man halt doch lieber beim Fitnessteller oder bei der Bratwurst mit Rösti. (Das schmeckt mir übrigens auch. Das Eine schliesst das Andere ja nicht aus.)

Fr 7. September 2018 C. 13° – 32° – 23° schön, wolkenlos

Eine Beobachtung zur Kommunikation in die Schweiz:
Grundsätzlich lässt sich sagen, dass die Möglichkeiten im digitalen Zeitalter natürlich vielfältiger, bequemer und auch billiger geworden sind. Vorausgesetzt, die betreffende Person ist auch mit den nötigen digitalen Geräten ausgerüstet und weiss sie auch zu bedienen.
Wahrscheinlich machen sich die meisten Leute gar keine grossen Gedanken darüber.
In meinen jüngeren Jahren (80er-Jahre) bin ich zweimal für längere Zeit auf Reisen gewesen. Dannzumal war Briefe- und/oder Kartenschreiben das normalste Kommunikationsmittel. Der Empfang von Postsachen war möglich, wenn man ungefähr wusste, wann man wo vorbeikommen würde. Stichwort: Poste restante. (Meistens zwei Monate Lagerfrist)
Telefongespräche: So selten wie nötig. Bei den damaligen horrenden Ferngesprächspreisen. Nur Festnetz. Mobilfunk ist erst seit den 90er- oder gar den 00er-Jahren verbreitet. Genauso wie das Internet.
Von daher hat sich das Reisen sehr verändert.
Gut zu wissen, das es auch ein Leben jenseits von digital gibt.

Sa 8. September 2018 C. 16° – 35° – 24° schön, wolkenlos

Am Morgen ein kurzes Telefongespräch (Skype light) in die Schweiz geführt. (Wenig Datenverbrauch, akzeptable Sprachqualität und eine 7$ Pauschale/Monat für 100 Minuten Gesprächsdauer in die ganze Welt. Werbefrei.)
Ja, es gibt tatsächlich noch Menschen, die kein WhatsApp oder so etwas ähnliches und nur ein Festnetztelefon haben.
Hierzulande wird sogar mit den Behörden per WhatsApp (schriftlich und mündlich) kommuniziert.
Entrümpelungstag: Heute Vormittag war eine Entrümpelung angesagt. Im Elternhaus der Frau meines Vermieters haben wir einen Raum der bis zum Dach angefüllt war mit, so würden wir sagen, Gerümpel geräumt. Und zwar von einem Gebäude neueren Jahrgangs (Backsteinbau) in das danebenstehende traditionellere Ältere (Holzbau). Zwecks Zimmerumnutzung und Komfortsteigerung. Bei diesen Gegenständen handelte es sich vor allem um Gegenstände, die von einem ehemaligen öffentlichen Grillstand stammen. Inklusive vieler Harassen voll mit leeren Pfandflaschen.
Aus schweizerischer Sichtweise wären diese Sachen zu 100% in der Entsorgung gelandet. Nicht so hier: Irgendwann lässt sich das vielleicht noch einmal gebrauchen, oder es wird halt dann entsorgt, wenn die Segnungen des Fortschritts bis hierher vorgedrungen sind. (Wenn dann auch das Einkommen mithalten kann.)
Zu den Häusern. In diesen zwei Häusern wohnen insgesamt drei Familien, mit einer mir unbekannten Anzahl Kindern. Mindestens acht niños und niñas im Alter zwischen zwei und sechzehn Jahren habe ich gezählt. Aber keine Ahnung, ob es da noch mehr davon gibt. Diese mindestens 14 Personen teilen sich drei Schlafzimmer und ein „Badezimmer“ (ein WC, ein Lavabo und eine Dusche, alles nur kaltes Wasser). Wobei sich das Leben sowieso meistens Draussen bzw. unter dem grossen Vordach (Veranda) abspielt.

So 9. September 2018 C. 19° – 36° – 25° schön, mit ein paar Schleierwolken

Erwähnenswert sind auch die Ess- und Trinksitten:
Man teilt sich zu zwei, dritt oder viert ein Wein- oder Bierglas. Oder vom gegrillten Rinderrücken schneidet sich jeder selbst ein im passendes Stück ab.
Wobei zu sagen ist, dass die Qualität des Fleisches nicht mit dem in den Schweizer Läden zu kaufenden vergleichbar ist.
In den Export gelangen nur die exklusivsten Teile der Tiere. Den Rest oder die nicht den jeweiligen hohen Anforderungen entsprechenden Stücke werden dann halt hier zu einem vielfach niedrigerem Preis verkauft. Am fettigeren, sehnigeren und knochendurchsetzeren Fleisch hat man dafür auch länger und mehr zum Kauen, als der Mensch, der sich das nicht so gewohnt ist!

WOCHE 9

Mo 10. September 2018 C. 18° – 36° – 26° schön, wolkenlos

Die Primarschule findet in zwei Schichten statt. Die eine Hälfte der Kinder geht von sieben Uhr bis elf Uhr zur Schule, die andere Hälfte von dreizehn Uhr bis siebzehn Uhr. Zur Schule gehen inzwischen fast alle Kinder, auch wenn man noch hie und da ‚Schuhputzer‘ in der Strasse und ‚Frontscheibenreiniger’ an der Kreuzung antreffen kann.
Analphabetismus gibt es fast nur noch in den abgelegensten Gebieten und betrifft da vor allem auch die älteren Semester. Immerhin, die Grundbildung ist gewährleistet.
Weiterführende Schulen und Unis sind zwar auch im ganzen Land vorhanden, aber weil meistens nicht öffentlich, den besser situierten Menschen vorbehalten.
Privatschulen gibt es auch immer mehr, aber auch da gilt das Motto: Wer Geld hat, kann sich alles kaufen. Auch Diplome und Abschlüsse.
Von dieser Seite betrachtet ist das verbreitete Allgemeinwissen nicht allzu hoch und die Meinungsbeinflussung durch Medien (Lautsprecher von Politik und Wirtschaft) umso grösser.
Trotzdem kann ich nicht verstehen, wie man den Versprechungen der auf nationaler Ebene tätigen PolitikerInnen fast blindlings glauben kann.
Ehrliche und unabhängige Politiker im nationalen Parlament? Da habe ich aber auch in der Schweiz meine Bedenken.
Eine eigene Meinung öffentlich zu vertreten ist sicherlich nicht karrierefördernd. Der Punkt an dem fast alle Menschen scheitern.

Di 11. September 2018 C. 19° – 33° – 25° schön, wolkenlos

Ich weiss nicht genau, welcher Teufel mich geritten hat, dieses Tagebuch als Weblog zu veröffentlichen https://heimistagebuch.com , aber vielleicht ist das ja gar nicht das Schlechteste.

Will ich damit etwas bewirken?

Was ich bestimmt nicht will, ist, dass das als Missionierung aufgefasst wird. Davon bin ich weit entfernt!

Mir sind Menschen mit Ecken und Kanten, Querdenker oder wie man das immer nennen will, sowieso viel nahestehender.

Mainstream, wie hört sich das nur schon an?

Gegen den Strom schwimmen, ist doch viel die grössere Herausforderung.

Solange man sich in vertrauten Gewässern befindet, ist fast alles nur ein Spiel.

Wie lange noch?

Momentan befinde ich mich noch in mir nicht sehr bekannten Gewässern. Will heissen, dass ich mich noch nicht auf die Äste hinauslasse. Aber, ich bin am beobachten. Und nicht alles was ich sehe, gefällt mir.

Z.B. Die Obrigkeitsanhimmelung:

Sie: „Die“ wissen bestimmt, was gut für das Volk ist.“

Ich: „Die“ interessiert eh nur das Geld. ‚Heute gesagt, ist morgen nicht getan.’

Sie: „Ich habe nur das gemacht, was mir gesagt wurde! Immer hiess es : Es geht uns so gut wie nie!“

Ich: ‚Tja, alles ist relativ!’

Solch eine Einstellung hat auch in der jüngeren Geschichte schon zu unschönen Momenten geführt. (Das tausendjährige Reich……….)

Mi 12. September 2018 C. 22° – 35° – 27° schön, mit Schleierwolken

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier.

Die ab Sonnenuntergang bis spät in der Nacht bellenden Hundemeuten (das kommt mir manchmal schon vor, wie Wolfsgeheul. Schon fast romantisch??) und die bereits ab dem sehr frühen morgen, bis etwa zum Sonnenaufgang kickerikickernden Hähne gehören bereits zu den Begleitgeräuschen und können mich nicht mehr daran hindern, einen ziemlich guten Schlaf mein eigen nennen zu dürfen.

OK, von Menschen kreierte Musik ist zwar meist harmonischer, aber nicht in allen Fällen hörenswerter.

Ja, ein Dasein ohne Musik ist kaum vorstellbar. Es gibt so viele schöne Musik, da reicht die Länge eines einzelnen Menschenlebens niemals dafür.

Auch hier hört man sehr viel Musik. Die Varietät ist halt nicht so gross, dafür die Lautsprecherboxen umso mehr. Von paraguayanischen Volksliedern welche die vergangenen Heldentaten und Amoritäten preisen, bis zu spanischprachigem Pop & Rock reicht etwa die Palette. Auch bei den meisten Radiosendern ist das so.

Auch hierzulande, wie fast überall wo ich bisher war, ist das Wissen oder die Kenntnis vom Geschehen im Ausland nicht sehr gross.

Dabei könnte man meinen, dass im Zeitalter des ‚WWWs’ die Möglichkeiten zur Befriedigung der Neugier schier unbegrenzt sind. Was natürlich voraussetzen würde, dass man neugierig ist.

Do, 13. September 2018 C. 22° – 23° – 22° bedeckt und ein paar Tropfen auf den heissen Stein, Donnergrollen hörbar, Nachts regnerisch

Was man nicht so alles erleben kann, auf dem nicht wirklich langen Weg “go Kommissione mache”. Oder neudeutsch: going to shop, shoppen.

Mir sind fast die Augen aus dem Kopf gefallen, als mir ein Kehrichtwagen der städtischen Müllentsorgung entgegengekommen ist.

Die diversen Abfallbehältnisse werden zwar eingesammelt und in den Rachen des fahrbaren Müllschluckers geworfen. Aber in Anbetracht dessen, dass es keine Kehrichtverbrennungsanlagen gibt, ist das Deponieren auf einem geeignet erscheinenden unbewohnten Grundstück schon fast eine soziale Dienstleistung. Das Recycling findet vor Ort durch anwesendes „Personal“, hungrige Tiere und die sich im gesellschaftlich untersten Gefüge befindlichen Menschen statt.

Wirklich Abfall genannt werden kann am Schluss nicht mehr viel. Fast alles lässt sich irgendwie wiederverwerten oder irgendwo in Geld umwandeln.

Trotzdem empfinde ich es im Allgemeinen als recht sauber. Von Ratten oder so habe ich noch nie gehört. Und stinken tut es auch nicht. Soweit kommt es gar nicht. Höchstens, wenn der Restmüll abgefackelt wird. 😉

Inzwischen ist mir auch klar geworden, warum die Menschen hier immer saubere Kleider tragen. Bei dem meist trockenen Wetter ist es sehr staubig und wenn es regnet, fast alles verschlammt. Das betrifft vor allem die vielen, in solchen Momenten bemitleidenswerten Motorrad- und Rollerfahrer.

Des Rätsels Lösung: Die meisten Menschen hier wechseln mehrmals am Tag die Kleidung.

Fr 14. September 2018 C. 20° – 25° – 21° nach regnerischer Nacht, am Tag auflockernde Bewölkung

Fast bedaure ich es, nie reiten gelernt zu haben.

‚Auf dem Pferd zum Einkaufen reiten’.

Eine interessante Vorstellung. Hm, diese Möglichkeit muss ich weiterverfolgen.

Und ausserdem, wäre der eigene Bewegungsradius deutlich erweitert. Zumal die allermeisten Strassen und Wege ausserhalb der Siedlungen auch nicht wirklich befestigt sind.

Und wenn man weiss, das die potenziell gefährlichen Tiere mindestens genau soviel Angst davor haben, einem Menschen zu begegnen, und man davon ausgehen kann, dass es ein riesiger Zufall wäre, ausgerechnet den rebellischen Widerstandskämpfern (Die Links vom 24.08.: ) in die Arme zu laufen, (wer sollte schon das allenfalls geforderte Lösegeld bezahlen) ist das zulegen eines Pferdes gar nicht so abwegig. Mal schauen.

Als Liebhaber von Flora und Fauna gibt es wahrlich viel zu sehen. Zu einem späterem Zeitpunkt werde ich sicherlich mehr zu diesem Thema berichten können und wollen. Bin selber gespannt.

Vorderhand muss ich mich mit den in Gehdistanz erseh- und erfühlbaren Begegnungen begnügen. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich im Moment eher zur Gattung des „homo inderstubensitziens“ neige.

Más tranquillo! (Umgangssprachlicher Ausspruch für: ‚Nor kei Schtress!’)

Sa 15. September 2018 C. 20° – 30° – 22° wechselnd bewölkt

Bald ist ja Tag- und Nachtgleiche. Hier in Concepción merkt man die jahreszeitlichen Schwankungen nicht allzu gross. (Die Stadt liegt geografisch gesehen noch knapp in den Tropen)

Die Tage sind gefühlt immer ähnlich lang. Der astronomisch kürzeste Tag im Juni (Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang) dauert 10:39 Stunden, der längste im Dezember 13:32 Stunden.

Ich empfinde es als ganz angenehm, dass sich am Abend die Sonne nicht so spät verabschiedet. Es ist angenehmer draussen zu sein, wenn man sich nicht immer vor zu intensiver Sonneneinstrahlung schützen muss. (Die Temperaturen machen mir im Gegensatz dazu gar nichts aus)

Statistisch gesehen gibt es im ‚Winter’ nur etwa jede Generation eine Nacht mit leichtem Frost. In diesem vergangenen kalten Winter hat es nie für einen Frost gereicht. Das absolute Minimum lag bei ~5° in dieser Region. Total reichte es für weniger als zehn Nächte mit <10°. Mal sehen, wie hoch es im Sommer gehen kann. Vermutlich etwas mit >40° 😉

Sorry, dass ich soviel über das Wetter und/oder Klima schreibe, aber bei vielen Tätigkeiten die ich in meiner Vergangenheit ausgeübt habe, war das kein unwichtiger Faktor.

Zb.: Als Briefträger bist du meist Draussen oder als Lokomotivführer hat man den Herbst, den Blütenstaub oder den Nieselregen nicht sehr gerne –> Bremsen.

Alte Lokführerweisheit (sinngemäss): „Fahren ist nicht schwierig, dafür aber Bremsen!“

So 16. September 2018 C. 22° – 24° – 20° frühmorgendliches Gewitter, zögerliche Wetterberuhigung mit zwischenzeitlichen Regenschauern (Aprilwetter)

An diesem Datum vor einem Jahr war ich auf einer meiner ausgedehnten Tagesfahrten über die Schweizer Alpenpässe (Untersiggenthal – Splügenpass – Chiavenna (I) – Lugano – Centovalli (I) – Simplonpass – Furkapass – Untersiggenthal). In vollem Bewusstsein, dass dies die letzten Fahrten über selbige Pässe sein werden. Es hat mir in jener Zeit niemand geglaubt, aber was solls….

Alle diese Pässe habe ich in meiner bisherigen Lebenszeit mindestens ein paar Mal, bis viele Male befahren. Zum Teil mit dem Tüüüü-taaaa-toooo-Poostauutoo, mit einem gewöhnlichen Auto oder in meinen jüngeren Jahren auch mit dem Velo.

Nachdem ich im fortgeschrittenen Frühjahr 2017 meinen Grundsatzentscheid zur Emigration gefällt hatte, habe ich eigentlich alles daran gesetzt, diesen Entscheid mit allen Konsequenzen auch in die Tat umzusetzen. Bis zum jetzigen Zeitpunkt läuft es mir persönlich auch gut. Ich hoffe die Zurückgebliebenen können das auch mehr oder weniger von sich selber behaupten.

Mir ist bewusst, dass ich den perversen=verkehrten Weg gegangen bin. Einige (oder viele, je nach dem Standpunkt) Menschen aus dem ‚Süden’ begeben sich, auf den im Fernsehen oder im Internet gepriesenen Weg zum gelobten Lebenstil in den ‚Norden’.

’Don’t blame those people!’

Mauern zu bauen ist langfristig bestimmt keine Lösung! (Mauern zerfallen früher oder später –> Chinesische Mauer, Hadrians Wall, Berliner Mauer…..)

Solo juntos podemos construir el futuro, si, la humanidad quiere sobrevivir!!

WOCHE 10

Mo 17. September 2018 C. 19° – 25° – 20° anfangs bedeckt, später Wolkenauflösung und schön

Grundstücke: Die meisten Familien wohnen in ihre eigenen Häusern. (Zur Miete wohnen ist ziemlich selten, ausserhalb der grösseren Städten)

Ein Standardgrundstück hat in etwa die Masse ca. 20m x 6-10m. Auf dem Grundstück wo meine Wohnung steht, stehen sogar zwei Häuser. Wobei das Meinige (das Hintere) zwei Etagen hat, zwei Wohnungen beinhaltet die jeweils vermietet werden.

Auf dem Grundstück rechts von mir steht, ein ziemlich neues Haus mit gepflastertem Garten und trotzdem ‚Paraguayan Style‘. D.h. Eine grosszügig überdachte Grillstelle mit Waschmaschine und Wäscheleine. So ähnlich wie ein ‚Carport’, aber nur auf einer oder zwei Seiten offen. In den noch traditionelleren Häusern ist auch die Küche nicht im Haus, sondern überdacht im Freien. Bis vor kurzem wurde meistens auf Holzöfen gekocht (–>Rauch, darum draussen), seit noch nicht allzulanger Zeit meistens mit Gas-(-flaschen) und darum Indoor.

Auf dem Grundstück links, wohnt eine Familie mit zwei Kindern im Kindergartenalter und der Grossmutter. Total fünf Personen. Es handelt sich um ein ziemlich kleines, sehr einfaches einstöckiges, gemauertes und laubfroschgrün verputztes Haus mit Wellblechdach und zwei Räumen, einem grösseren überdachten Vorplatz und einem Garten ohne Pflasterung oder Gras.

Bei jedem stärkeren Regen (hier ist fast jeder Regenguss kurz, aber intensiv) spritzt die Erde einen Meter oder so die Hauswände hoch und der Garten ist nachher längere Zeit nicht nutzbar. Daher sieht man hier , wenn man übers Land fährt, viele Häuser mit der typischen rötlichen Färbung (die Farbe des Erdbodens) an der unteren Hauswandshälfte. Die gepflasterten Häuser knallen in allen möglichen und unmöglichen Farben daher.

Im Quartier auf der anderen Seite der Hauptstrasse sind die allermeisten Behausungen noch bessere Holzverschläge mit Stroh- oder Wellblechdach. Natürlich sind dort alle ‚Strassen’ ungepflastert = Sand- oder Schlammpisten, je nach Wetter.

Di 18. September 2018 C. 18° – 31° – 25° schön, abends ein paar Schleierwolken

Spieltag an der Oberstufenschule:

Die Mädchen spielen Handball und Volleyball. Die Jungs, na was wohl….? Genau: Fussball, wie wohl fast überall auf dieser Erde.

(Fussball? Gääähn…)

Die chicas an der prallen Sonne auf sandigen Böden. Die chicos in der überdachten, schattigen „Turnhalle“. Wobei zu sagen ist, das die „Turnhalle“ nur aus einem Hartplatz mit allen Bodenmarkierungen, sowie Beleuchtung und einem imposanten Dach, das auf hohen Stützen befestigt ist, besteht.

Jetzt könnte ich behaupten, dass die Geschlechterollen klar verteilt sind. Machokultur?

Meine sehr verallgemeinernde Beobachtung ist so, dass ich feststelle, dass die Rollenverteilung zu Hause zwischen Mann und Frau ziemlich eindeutig ist. Die Frau ist für die Kinder und den Zustand des Haushaltes bestimmt. Der Mann, (häufig ohne regelmässige Arbeit) ‚managed‘ und pflegt die Kontakte zu den ‚richtigen‘ und ‚wichtigen‘ Leuten.

Ganz anders mein Wahrnehmung der Rollenverteilung auswärts. Frauen sind hier eindeutig tonangebend und der Mann „hechelt“ hinterher. Wo man auch hinkommt, die Initiative geht meist vom feminimen Part aus.

Das ist natürlich keine wissenschaftliche Analyse, sondern das sind meine bisherigen subjektiven Beobachtungen.

Hierbei sind die Stadt zu Landgegensätze und die einseitige Rollenverteilung in den ‚Kadern’ noch gar nicht berücksichtigt.

Könnte es nicht auch sein, dass die unausgewogene Verteilung von Chefposten weltweit, ein Ausdruck der weitumsichseienden Machokultur ist?

Und natürlich spielt in solch einem Land auch die Religion eine wichtige Rolle. Ca. 90% gehören der katholischen Kirche an. Die Konquistadoren und ihr Begleitross haben ganze Arbeit geleistet. Bloss, Kirchen gibt es nicht allzu viele und die Selbigen sind auch hier nur wenig besucht.

Mi 19. September 2018 C. 27° – 36° – 30° schön, ein paar Schleierwolken

Zwischenbemerkung:

Da es sich hier um ein Tagebuch handelt, fühle ich mich nicht genötigt jeden Tag einen Text zu schreiben. Zwischendurch bleibt es halt einmal beim Wetterzustandsbericht.

Dazu ein kleine Anmerkung:

Das könnte auch der Grund sein, warum es heute meinerseits nichts Neues zu berichten gibt. Der ‚Winter‘ ist endlich passé. Dass die Temperaturen über längere Zeit auch in der Nacht nicht unter 25° fallen; daran muss sich mein Körper erst noch gewöhnen. Auch, weil ich mir vorgenommen habe, die Aircondition niemals, oder nur in Ausnahmefällen laufen zu lassen. (S’chonnt guet!) Die Deckenventilatoren sind mir einfach sympathischer.

By the way: Vor meinem Fenster steht einer der wenigen Baumsorten, die im ‚Winter‘ kurzfristig ihre Blätter verlieren. Das zarte hellgrün der neuen Blätter erinnert mich ein wenig an den Frühlingswald in der Schweiz. Als ich anfangs August in diese Wohnung eingezogen bin, waren noch die alten, violett- bis bräunlichfarbenen, lederartigen Blätter an diesem Baum dominant.

Do 20. September 2018 C. 25° – 32° – 26° morgendliche Schauer, nachher schön

Gewöhnungsbedürftig, zum mindesten für mich, sind auch die allgegenwärtigen getönten Scheiben. Auch meine „Wohnungstüre“ besteht aus solchem Glas.

Normalerweise bin ich zu Hause nur (Achtung, Ü18:) leicht bekleidet. Eine 2,5m Breite x 2m Hohe zweiflüglige Glastüre. Die Sicht nach draussen ist klar und deutlich. Zum Glück nur von drinnen nach draussen. Den letzten Beweis, dass das auch wirklich so ist, war der junge Waschbär der letzhin an einem Vormittag auf Nahrungssuche an der Scheibe ‚herumtanzte‘. Er hat mich sicherlich gehört und gerochen, konnte mich aber nicht sehen, auch als ich ihn von ganz Nahem fotografierte….

Tja, so vergeht die Zeit. Auch ohne morgens an einen, wie auch immer ‚wertvollen‘ Arbeitsplatz ausrücken zu müssen, hat der Tag nur vierundzwanzig Stunden. Und solch einen Tag mit ‚Sinn’ zu füllen, bedarf es manchmal gar nicht soviel.

Es macht halt schon einen Unterschied, ob man 1. ein volles vorgegebenes Tagesprogramm absolvieren muss, oder sich 2. den Tag selber gestalten kann/muss. Tatsache ist, dass ich Vorteile in beiden Lebensweisen sehen kann. Ich für mich aber klar das Zweite bevorzuge.

Fr 21. September 2018 C. 23° – 34° – 29° schön, einzelne vorüberziehende Wolken

Die Auswahl meiner bisherigen Wohnsitze erfolgte immer auch im Hinblick auf die Lage. Das heisst bei mir, dass mir ein Blick in die Ferne wichtiger ist, als die Innenaustattung.

Auch hier geht mein Blick auf die höchste Erhebung in der Umgebung. Es handelt sich dabei um einen Kunstbau. Die Brücke Nanawa über den Río Paraguay. Eine 1300m lange und mindestens 30m hohe Bogenbrücke, unter der auch die grössten Flussschiffe passieren können.

Die Strasse, die über die einzige von zwei Brücken in diesem Land die bisher über diesen Strom gebaut wurden, verbindet Juan Pablo Caballero, ca 200 km im Osten an der brasilianischen Grenze via Concepción, mit der bolivianischen Grenze ca. 650km nordwestlich von hier.

Der Ausblick von dieser Erhebung auf die topfebene Landschaft lässt einen erahnen, wie gross die Erde sein könnte. Ein Horizont wie auf dem Meer –> leicht gekrümmt. Auch wenn Paraguay nur ein kleines Binnenland im Inneren dieses grossen Halbkontinentes ist.

Die Ausläufer des nächsten nennenswerten Gebirges, – die Anden, immerhin fast 7000m hoch – beginnen etwa 700km westlich von hier. Bis dorthin, alles topfeben. Also nichts mit skifahren oder snowboarden. 😉

Als ich letzhin einem ca. siebzigjährigen Mann einen kurzen Clip von einer Schneemauer am Nufenenpass, Ende Juni diesen Jahres zeigte, ist dem Manne fast der Kiefer rausgefallen (wortwörtlich gemeint). Mit seinen siebzig Jahren hat er tatsächlich noch nie Schnee gesehen.

Sa 22. September 2018 C. 28° – 38° – 31° schön, fast wolkenlos

‚38° und es wird noch heisser……’

So oder ähnlich, hiess einmal ein ‚Sommerhit’ in den letzten Jahren.

Wobei, sich über die Temperaturen auszulassen eigentlich ein Unding ist. Das war mir ja alles bekannt. Und jetzt, wo ich damit umgehen muss, ist es kein grosses Problem mehr. Es ist einfach nur alltäglich. (Der Mensch ist ein Gewohnheitstier)

Lieber ein paar frische Schweissperlen, als auch nur eine abgefrorene Gliedmasse 😉

Ich muss gerade an meine Tage in der Hauptstadt Asunción zurückdenken.

Für mich eine Bestätigung, dass alle grossen Wasserkopfstädte auf dieser Welt dem selben Zweck dienen. Möglichst viel Gewinn generieren!

Die Einkaufsstrassen sehen auch fast überall gleich aus. Kein Wunder, es sind auch fast überall die gleichen, global tätigen Unternehmen.

Ob Toblerone, Seiko-Watch oder Doppel-Whopper, alles was der Mensch nicht zum Überleben braucht, ist erhältlich und sieht, schmeckt oder funktioniert genaugleich (aus) wie sonstwo in einem global-urbanem Umfeld. Hauptsache, die Kasse stimmt!

Los Angeles, New York, London, Paris, Milano, Dubai, Singapur oder Tokyo. Ich bin mir fast sicher, dass der einzige erkennbare Unterschied beim Shoppen das Preisniveau ist.

Mais, c’est la vie !

So 23. September 2018 C. 28° – 39° – 32° schön, fast wolkenlos

Heute gilt etwas ähnliches, wie vor ein paar Wochen, als es tagsüber kalt (<10°C) war. Einfach mit anderen Parametern. Heute, an einem Sonntag wo das Thermometer fast +40°C anzeigt, sieht man auch nicht sehr viele Menschen draussen. Verständlich, 39°C an der Sonne fühlen sich ziemlich unangenehm an. Aber bald (ca. 17:46) geht die Sonne unter und das Leben (nach der Siesta) geht weiter.

Gestern Abend musste ich kapitulieren und zum ersten Male die Klimaanlage im Schlafzimmer in Betrieb nehmen. 34°C Indoor sind einfach zu viel, um einen angenehmen Schönheitsschlaf zu finden.

Immer wieder das Wetter. Dabei gäbe es so viele wichtigere Themen zu besprechen. Z.B.: Justin Bieber und Hailey Baldwin(♀????) turteln in einer Zürcher Schwulenbar (blick.ch) oder, Jogi (Löw) küsst eine neue Frau!!! (bild.de)

Wie auch immer; wenn ich an der Kasse des Supermarktes stehe und die Señora vor mir das Stück Käse (ca. 10 Rappen) zurücklegen muss, weil das zur Verfügung stehende Budget nicht ausreicht, dann muss ich nicht viel mehr dazu sagen.

Detail am Rande:

Einige wissen ja, dass ich ein Fan von Statistiken bin. Eine selber geführte Statistik sagt mir, dass ich in meinem Leben fünfundzwanzig verschiedene Landesgrenzen überschritten habe. (Z.B. 1985 Grenzübertritt nach Ungarn, dannzumal noch hinter dem eisernen Vorhang, welches mir einen Eintrag im zentralen Bundesregister bescherte; vermutlich als Spionageverdächtiger für den BöFei (Mil. Abkz. f. d. b. F. a. d. O.) Sowjetunion. Dabei war ich nur an einem OL, was sonst? Fichenskandal ca. 1989/1990. Erinnert sich noch jemand?) Und, oh Schreck! Ein Kontinent (Afrika) fehlt auf der Liste. Was sich auch kaum noch je ändern wird.

WOCHE 11

Mo 24. September 2018 C. 29° – 39° – 33° schön, abends einige Gewitter irgendwo im Umland

Im September vor dreissig Jahren (1988) habe ich einen dreimonatigen Englisch-Sprachkurs in Auckland, der grössten Stadt Neuseelands begonnen. Anschliessend bin ich noch drei Monate durchs Land gereist.

Viel habe ich von damals nicht mehr im Gedächtnis. Tolle Landschaften, viele Schafe und diese eine Erinnerung, die meinen Lebensweg total anders verlaufen lassen hätte können.

Unsere Klasse bestand etwa zur Hälfte aus Schweizern (was sonst, ‚Zürischnorre’ in Neuseeland), und einzelnen Japanern, Chinesen, einem Neukaledonier und einem Saudi-Araber.

Untergebracht waren alle bei verschiedenen Familien. Ich teilte ein grosses Haus bei einer einheimischen verwitweten Landlady, zusammen mit einem jungen Indonesier und einer nicht mehr ganz so jungen Japanerin. (Jene Frau hat mich zu meinem ersten Joint verführt. HustHustHust…..)

Zum potenziell einschneidenden Erlebnis: Ich stand (wortwörtlich und das hatte nichts mit einem Joint zu tun) nur ein paar Schritte davon entfernt, einer meiner chinesischen Klassenkolleginnen einen Heiratsantrag zu machen!

Wie dass wohl ausgegangen wäre??

Di 25. September 2018   C.   23° – 34° – 29°   morgendliches, erfrischendes Gewitter, nachher wechselnd bewölkt

Noch eine Vegangenheitserinnerung:

(Über die Zukunft mag ich nichts schreiben, da ich nicht weiss, was noch alles geschieht. Meine persönliche Zukunft ist sowieso von niederrangiger Wichtigkeit, viel eher gälte es sich Sorgen zu machen, wie schizophren sich die Menschheit im Wissen um die Begrenztheit der Ressourcen verhält. Passende Zitate und Sprüche:

Albert Einstein:“Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit, aber beim Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher.“

„Am Ast sägen, auf dem man sitzt.“)

Ich bin wieder abgeschweift, hier die Erinnerung:

Der September 1999 war ein sehr schöner und warmer Monat. Drei Wochen Ferien, Single und ein Auto (Toyota Starlet) mit unzerstörbarem Motor. (2004 habe ich es mit 270’000km und dem Originalmotor dann wieder verkauft. Inzwischen war ich auch nicht mehr Single 😉 )

Nachdem ich ein paar Tausend Kilometer abgespult hatte, (Schweiz – Deutschland – Dänemark – Norwegen) habe ich mir noch einige Tage Badeferien in den Schären irgendwo vor Stockholm (Schweden) gegönnt. Jeden Tag ein Langstreckenschwumm in der aussergewöhnlich warmen Ostsee. FKK, wer rechnet schon damit im Herbst im baltischen Meer zu schwimmen?

Nacher noch im Eiltempo übergesetzt nach Rügen und quer durch die ehemalige DDR zurück in die Schweiz.

Ungewohnte Klänge heute beim Flüssigkeitseinkaufen im ‚Lädeli’ gegenüber:

Pink Floyds „Wish you were here” und Nirvanas „Smells like teen spirit“

Ich habe mir dabei gedacht: Der halbwüchsige Sohn des Ladenbesitzers entdeckt wohl gerade die Vielfältigkeit der Welt auf seinem Phone…..

Mi 26. September 2018   C.   24° – 32° – 26°   frühmorgens gewitterhaft, später schön, abendliches Gewitter, hohe Luftfeuchtigkeit

Kurze Denkpause!

(‚Wahrscheinlich die optimale Textlänge, die viele im heutigen schnelllebigen Dasein gerade noch so knapp bewältigen können. Nicht, dass ich ein sehr grosses Problem damit hätte. Schliesslich wird es auch inhaltlich nicht immer allen gefallen, was ich schreibe. Muss es aber auch gar nicht.

Aber wie schon gesagt : ‘ça fait rien, pas de tout!’

Ich weiss dass lesen ‚Oldscool’ und anstrengend ist und die Wischbewegung auf dem „Smartphone“-Display ‚radiputz’ passiert ist, „so what?“

Das Wichtigste ist, dass sich jeder Mensch bewusst ist, dass er/sie nur ein Leben hat, und dass es manchmal halt auch einen Ruck oder eine Überwindung braucht, um die jeweilige nicht zufriedenstellende Situation wie auch immer befriedigender zu gestalten.

Suum cuique!

In allen Grundgesetzen, Verfassungen oder wie sie auch immer heissen, steht sinngemäss meistens im §1, oder sonstwo weit oben: „Die Würde des Menschen ist unantasbar!

Sorry, genug moralisiert. Morgen ist wieder ein neuer Tag!’ 🙂

Do 27. September 2018   C.     22° – 29° – 25°   gewittrige erste Tageshälfte, nachher auflockernd und ein beinahe kitschiger Sonnenuntergang

Ein zwölfstündiges Gewitter! Eine echte mentale Herausforderung. Nun weiss ich, wo sich die Schwachpunkte in der Architektur dieser Leichtbauweishäuser liegen. Nachdem ich stundenlang damit beschäftigt war, das Wasser, dass unter der „Wohnungstüre“ durchgeflossen ist wieder dorthin wo es hingehört – nach draussen in die Natur – zu befördern, habe ich mir einige Schwachpunkte notiert, die ich mit meinem Vermieter besprechen muss.

Klar ist mir jetzt auch, warum in den Einkaufsläden die Bodenlumpen und die Wischmops so prominent platziert sind. Viele Leute (meistens die Frauen) sind damit beschäftigt, den Boden entweder vom Wasser oder vom rötlichen Staub zu befreien. Immer und immer wieder.

Sisyphus lässt grüssen.

Wenn man davon ausgeht, dass ich niemanden belehren will, so will ich für mich doch eine anständige Türe, von mir aus aus Glas, aber mit anständigem Rahmen, inklusive einem richtigen Sockel.

Warum immer wieder den Boden (alles sind Plattenböden) trocknen und reinigen, wenn man mit geringem Aufwand (Türe) sich die ganze Arbeit sparen könnte.

Aber wahrscheinlich bin ich halt doch noch zu sehr ein Schweizer ‚Bünzli’ und kann oder will das nicht verstehen.

Fr 28. September 2018   C.     21° – 33° – 27°   wechselnd bewölkt

Gestern spätabends hat mich der Briefträger mehrmals versucht anzurufen. Noch später (‚Händ die au emol Fyrobig?’) hat er mir dann noch per WhatsApp schriftlich mitgeteilt, dass es Briefe hätte, die ich auf der „Hauptpost“ abholen könne.

‚Woher weiss der wohl meine Telefonnummer?’, war mein Gedanke, aber der ‚Gwunder’ meinerseits war grösser.

So bin ich heute morgen bei angenehmen Temperaturen ins Stadtzentrum flaniert. Auf der Post dann das grosse Suchen nach den Briefen. Schlussendlich hat es sich herausgestellt, dass die anwesende Dame bei den eingeschriebenen Briefen hätte suchen sollen. Gemeinsam wurden wir fündig.

Als ich die Adresse sah, wurde mir auch klar, warum mich der Postbote angerufen hatte. Da ich über keine vollständige Wohnadresse verfüge, hat der Absender halt noch meine Telefonnummer unterhalb der Adresse hinzugefügt.

Beim Absender dieses Briefes handelte es sich um das zuständige Generalkonsulat in Buenos Aires, Argentinien. Die wissen halt, wie es funktioniert. (Meine Original-CHE-ID und der Original-Heimatausweis(!) wurden mir retourniert.) Der Brief war eingeschrieben und ich musste auf einem Formular mit Durchschlagskohlepapier (sic!) unterschreiben.

Immer wieder faszinierend zu beobachten, einerseits die modernsten technischen Einrichtungen (die werden aber nur selten benutzt), andererseits aber wird hier noch vielerorts gewohnt und gearbeitet wie zB. in der Schweiz vor einigen Jahrzehnten. (Faszinierend ist es beispielsweise Handwerkern beim handwerken zuzuschauen. Die Fähigkeiten sind sicherlich vorhanden, aber der Arbeitseifer….)

Noch wird nicht alles rationalisiert um des Rationalisierens und Effizienterwerdens Willen.

Sa 29. September 2018   C.  26° – 35° – 27°   schön, mit einzelnen Wolken

Zu spät!

Wieder einmal war ich zu langsam (oder zu fasziniert), um ‚das Foto des Tages’ zu machen. Ein Kolibri hat sich im Spiegel (die Wohnungstüre) angeschaut. Motto: “Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist d.. Schönste im ganzen Land“

Ich bin immer noch am Werweisen, ob ich mir eine geländegängige Maschine oder halt doch ein Pferd zulegen soll. Tendenziell wird es einen Motor und zwei Räder haben….… Aber zuerst muss ich mir noch eine Fahrinstruktion geben lassen. Bin bisher nur Motos mit Automatikgetriebe gefahren und so etwas habe ich hier noch nicht gesehen.

Es wird doch langsam Zeit, dass ich meine Endeckungsneugier befriedigen kann. Aber auch ganz profan: Um auch wieder einmal ganz spontan in den Ausgang gehen zu können. Zum Glück habe ich noch keine Verpflichtungen und jede Menge Zeit.

‚Nor kei Schtress!’

So 30. September 2018   C.     26° – 35° – 27°   wechselnd bewölkt

Der Sonntag ist auch hier Familientag. Man zieht seine besten Kleider an und besucht andere Familien oder lässt sich besuchen. Dann wird gequatscht und getratscht, gegessen und getrunken.

Der grösste Unterschied ist halt schon der, dass dies das ganze Jahr über draussen stattfindet. (Mit ganz wenigen Ausnahmen)

Die Menschen hier neigen meiner Ansicht nach eher dazu, zu viele Kilogramme mit sich rumzuschleppen. Die Ernährung erscheint mir auch ziemlich einseitig. Zu viele Fette und alles viel zu süss. Der Bewegungsmangel ist offensichtlich. OK, es ist häufig heiss, aber trotzdem….

Es ist natürlich grundsätzlich etwas positives, für andere Menschen da zu sein, (Kinder, Altenpflege usw.) aber ich finde, man sollte dabei nicht vergessen, sich selber auch immer etwas Gutes tun.

Es ist mir natürlich auch klar, dass ich nicht als Referenz dienen kann (BMI 20 Komma irgendwas). Solange ich mein mir selbst auferlegtes tägliches Fitnessprogramm durchziehe, Siehe: 20.08.2018 lasse ich mir auch mein Bier oder den Wein nicht nehmen. (No other drugs!)

Woche 12

Mo 1. Oktober 2018   C.   25° – 36° – 28°   schön, wenige „Schäfchenwolken“

Soeben muss ich an unsere Familienferien auf Sizilien in den Herbstferien 2008 denken. Und zwar, weil sowohl dort (Nachsaison), als auch hier (Frühling), die Menschen umherlaufen, als sei es kalt. Will heissen, als wir im Oktober 2008 bei angenehmen Temperaturen +/- 25° am Nachmittag, im, am oder auf dem Meer die Ferien genossen, sind die meisten Einheimischen schon häufig mit Pullover oder Jacke herumgelaufen. Den Aufstieg zum Vulkan ‚Volcano‘ (Liparische Inseln, empfehlenswert) habe ich als ziemlich schweisstreibend in Erinnerung.

Ähnlich sieht es auch hier aus, obwohl die Tagestemperaturen noch um einiges höher (bis +39°) liegen. Man denke darüber, was man wolle.

Wie so oft: „Andere Länder, andere Sitten.“

Nicht dass jetzt jemand auf den Gedanken komme, dass ich des Klima wegens hier bin. Überhaupt nicht. Ich mag den Wechsel der verschiedenen Jahreszeiten. Sogar dem Schnee als Nicht-Wintersportler kann ich schöne Seiten abgewinnen. Das habe ich fünf Jahrzehnte miterlebt und jetzt bin ich halt in einer Gegend, wo ich bestimmt nie Gefahr laufen werde, Frostschäden davonzutragen. Das Wetter ist natürlich ein angenehmer Nebeneffekt: Lieber ab und an ein Gewitterregen und dazwischen viel Sonne, als wochenlanger Hochnebel und kalter Biswind. Trotz des europäischen ‚Jarhundertsommers’.

Nein, im Ernst: Wann ich daran denken kann, mein als Plan ’A’ (siehe: www.facebook.com/pius.heimgartner ) gedachtes Projekt umzusetzen, ist noch unklar. Ich muss noch viel mehr Kontakte knüpfen. Zwischenmenschliches Vertrauen aufbauen und mich noch viel mehr im neuen Umfeld akklimatisieren. Zum Glück spielt Zeit keine Rolle! Aber meinen Fokus habe ich nicht verloren.

Di 2. Oktober 2018   C.   24° – 24° – 24°   nächtliches Gewitter, nacher hochnebelartige Bewölkung, hohe Luftfeuchtigkeit

Interessant ist auch zu beobachten, wie die neue Regierung Versprechen an die diversen Bevölkerungsgruppen abgibt. Zum Beispiel sollen bis Ende des nächsten Jahres ausserhalb der Hauptstadtregion genau 377 Kilometer (Quelle: Der neue Verkehrsminister am 1.10.2018) neu asphaltiert werden.

Man muss wissen, dass in den erwähnten Regionen einige tausend Kilometer mehr oder weniger unbefestigte Sandpisten existieren, die die grösseren Städte mit den kleineren Kommunen verbinden. Nach jedem Regenfall sind die ‚Strassen’ in bedenklichem Zustand.

Es gibt ausserhalb der Hauptstadtregion gar nicht soviele befestigte Strassen. Und auch die Hauptstrassen sind, je weiter weg von der Haupstadt, einen Abenteuerurlaub wert.

377 Kilometer neue Asphaltstrassen? In dieser Zeit werden sicherlich die doppelte Anzahl Kilometer von „Autobahnen“ in einen zweifelhaften Zustand verfallen. Einschlägige Videos gibt es auf YouTube. Stichwort: ruta transchaco paraguay

Das ist jetzt nicht nur meine Erfahrung, sondern auch die Meinung von meinen meisten Gesprächspartnern. Trotzdem werden immer wieder dieselben Parteien gewählt!

Ich fühle mich manchmal in meine Kindheit der 70-er Jahre zurückversetzt. (‚De Milchmaa, wo Offemilch os de Milchchanne a de Huustöre verchauft‘, Ur-Tetra-Pack, Kinder die auf Bäume klettern dürfen oder die im Wald Bäche in Stauseen verwandeln, Höhlen bauen und, und, und……)

Mi 3. Oktober 2018   C.   19° – 24° – 22°   stark bewölkt, zwischendurch Gewitterregen, schon wieder ein ‚kitschiger’ Sonnenuntergang

Südfrankreich im Herbst 2011: Irgendwo schon einmal erwähnt habe ich die Einkaufstasche (2 Euro) die ich hier benutze. Und zwar stammt die von einem Meerefrüchtehändler in der Nähe unseres Ferienhauses. Saint-Tropez, Nizza und Monaco sind wahrlich mondänere Orte wie Juan Pablo Caballero, Concepción oder Pozo Colorado, obwohl einwohnermässig teilweise ähnlich gross.

Dafür sind auch die Preise auch ziemlich unterschiedlich. Nur so als Vergleich: Für den Preis den ich hier pro Monat für meine 3-Zimmerwohnung bezahle, bekomme ich in der Schweiz „nur“ ein gutes Nachtessen für zwei Personen, aber höchstens eine Flasche des Hausweines inklusive.

Südfrankreich würde ich als sehr schöne Gegend bezeichnen. Abgesehen von den formidablen Küstenlandschaften, ist auch das gebirgige Hinterland ein wahrer Traum. Wenn ich mich nicht für Südamerika entschieden hätte, könnte ich mir meinen Ruhestand sehr gut irgendwo im mildem Mittelmeerklima vorstellen. Gut für den Körper, eher schlecht fürs Portemonnaie.

Zum Klarstellen: Momentan beschäftige ich mich noch nicht mit meinem Ruhestand. Was stimmt: Ich nehme es ruhiger.

Do 4. Oktober 2018   C.   20° – 28° – 25°   wechselnd bewölkt, ziemlich hohe Luftfeuchtigkeit

Ein Vorteil für mich als Liebhaber von Milch, ist es in einem Land zu wohnen wo sehr viele Rinder für den Fleischexport auf der Weide stehen, was bedeutet, dass auch entsprechend die Milchwirtschaft eine wichtige Rolle spielt.

Obwohl hier die Milch vor allem als Wundermittel für Kinder beworben wird. Erwachsene trinken praktisch keine Milch. Was mich nicht stört, dafür gibt es sie überall zu kaufen. Meine Laster, wenn man es so sehen will: Kaffee und Milch. Inzwischen bin ich schon wieder bei einem Liter Milch pro Tag angekommen!

Ansonsten mit viel Mineralwasser verdünnter Fruchtsaft oder ‚Blöterliwasser’. Und manchmal zwei, drei Bier oder zwei Glas Rotwein.

Richtig warm essen tue ich eigentlich auch hier nur selten. Zu Hause begnüge ich mich mit selbstgemachten Sandwiches (Käse, Schinken) und vielen Früchten. (Äpfel, Orangen…..)

Eine Kochgelegenheit habe ich mir noch keine beschafft, da ich mir nicht sicher bin noch sehr lange in dieser Wohnung zu bleiben.

Nach nun doch schon fast drei Monaten, kann ich besser beurteilen, was mir persönlich besser tut. Die Leute sind selbstverständlich sehr nett und zuvorkommend, aber mangels finanziellen Ressourcen werde ich von allen als der reiche „Onkel“ aus der noch reicheren Schweiz betrachtet. Wobei klar zu sagen ist, dass ich mich aus „Schweizer“ Sichtweise sicherlich nicht als reich betrachten kann. Vorwurf machen kann ich niemandem, Das Wissen über die Welt oder gar Nachrichten aus Europa, geschweige denn aus der Schweiz gibt es hier praktisch keine. Ist ja umgekehrt auch nicht anders. Und im Internet aktiv nach Informationen suchen, ist halt schon „extrem“ anstrengend. Stichwort: Passiver Medienkonsum.

Jedenfalls, werde ich mich langsam nach einer Bleibe im zentralen Bereich dieser provinziellen Stadt umsehen. Für mich ist das keine Niederlage, sondern nur die Bestätigung, dass ich es langsamer angehen muss.

Fr 5. Oktober 2018   C.    ° 19 – 27° – 21°   schön, wenige Wolken

Diese Woche habe ich bei meiner Einwanderungshelferin per Email nach dem Stand der Dinge für meine Aufenthaltsbewilligung nachgefragt. Die Antwort entsprach in etwa meinen Erwartungen.

Da seit Mitte August auch ein neuer Innenminister im Amt ist, soll das Bearbeiten meines am 18. Juli getätigten Antrages mindestens sechs Monate betragen. Solange die definitive Aufenthaltsbewilligung nicht vorliegt, darf ich auch nicht arbeiten oder ein Bankkonto eröffnen. Zum Glück bin ich Inhaber eines Kontos in der Schweiz und der Geldtransfer funktioniert problemlos. Es sind ja auch noch umgerechnet 5000 Euro als Depot bei der paraguayanischen Nationalbank. So quasi als „Notbatzen“.

Heute habe ich mich überwinden können, und habe an zentralster Lage eine neue teilmöblierte Wohnung gemietet (Ab Montag?). Für eine Person zwar zu gross: 3 Schlafzimmer, eine grosse Küche mit Gasherd, eine galeriartiges Wohnzimmer, ein Bad und eine grosszügig überdachte Terrasse. Aber wer weiss, wie sich diese (noch) überzähligen Zimmer mittel- und langfristig nutzen lassen. Preis? Ca 400 Sfr/Monat.

Langfristig planen macht meiner Ansicht nach bei der heutigen, relativ unsicheren Weltlage auch nicht einen entscheidenden Sinn. Was nicht heissen soll, das man nur noch alles Sch…. finden soll. Keineswegs. Immer erhobenen Hauptes und optimistisch vorwärts.

Das Leben ist so schön. Darum geniessen. Es ist schnell genug vorbei!

Sa 6. Oktober 2018   C.   20° – 32° – 24°   meist sonniges Wetter

In der nächsten Nacht wird auch hier auf Sommerzeit gewechselt. Das heisst eine Stunde vor, so dass es am Morgen später hell wird und am Abend länger hell bleibt. Zeitdifferenz zur Schweiz bis am 27. Oktober (-5 Sunden. Sommerzeit PY, Sommerzeit CH). (Aktuell –6Stunden. Winterzeit PY, Sommerzeit CH, nachher –4 Stunden. Sommerzeit PY, Winterzeit CH!!??)

Das Thema Zeitumstellung ist auch hierzulande nicht unumstritten. Sobald die EU die Abschaffung der Zeitumstellung beschliessen sollte, wird es wahrscheinlich auch hier nicht mehr lange bis zu deren Abschaffung dauern.

April 2013: Frühlingsferien an der Westküste des dänischen Jütlandes. (Ferienhaus hinter den Dünen) Windig und kühl, aber ideal für stundenlange Sandstrandspaziergänge.

Die letzten Familienferien, die ich inoffiziel unter das Motto: ‚Die Seele baumeln lassen’ gestellt habe. Ich musste feststellen, dass das „Dolce far niente“, nicht auf Anklang gestossen ist. (Stichwort: WiFi, Roaminggebühren)

Die schönste Erinnerung war rückblickend klar die ca. vierzehnstündige ‚Nonstop’-Rückfahrt aus dem noch kahlen und kühlen Dänemark in die spriessende und frühlingshafte Schweiz. Trotz dem Kilometerabspulen eine für mich sehr lehrhafte und bereichernde Fahrt, die ich nicht missen möchte.

So 7. Oktober 2018   C.   23° – 27° – 27°   wechselnd stark bewölkt, einzelne Gewitter

Wenn ich dann nächste Woche ins ‚Stadtzentrum’ umziehe, ist das eine Vorwärtsbewegung und für mich eine Bestätigung, nicht den falschen Grundsatzentscheid getroffen zu haben. http://www.facebook.com/pius.heimgartner

Sprachlich geht es jetzt sehr schnell aufwärts und einer der Hauptgründe meines Ortswechsels sind auch die um ein vielfach grösseren Möglichkeiten, zur Anwendung der Sprache. Eines meiner nächsten Ziele: Flüssiges sprechen und verstehen. Für die Zeit, wenn ich dann auch offiziell arbeiten darf, habe ich einige Ideen. Nur Geduld. (Schon wieder: Andere Länder, andere Sitten.)

Kommt dazu, dass ich durchaus einen minimalen Komfort geniessen will. Nach jedem Regen den Boden aufzunehmen, weil für einen minimalen nötigen finanziellen Mehraufwand die Mittel fehlen, um einen genügenden Ablauf des Wassers zu gewährleistern, gehört nicht unbedingt dazu. Der Aufwand ist wirklich klein, obwohl ich nur eher geringe handwerkliche Fähigkeiten besitze. Und ich traue mir das zu. Sehen und Nachdenken alleine genügt.

Tell me what you hope to find,
I tell you what you’ve got to loose.

Auf deutsch:

Sage mir, was du finden willst
und ich sage dir, was du loslassen musst.

Zwei Textzeilen aus einem Lied aus der Flower-Power Zeit. (Fünfzig Jahre ist das her)

Noch so ein toller Spruch:

„Loslassen kostet weniger Kraft als festhalten. Und dennoch ist es schwerer.“

Woche 13

Mo 8. Oktober 2018   C.   23° – 30° – 29° anfangs bedeckt, nachher schön

Meinen nächsten Schritt, auf dem Weg mich hier niederzulassen habe ich heute beschritten. Die letzte Nacht in meiner Erstwohnung habe ich hinter mir. Im Moment wohne ich für vier Nächte im Hotel. Nachdem ich mich heute einer stündigen „Befragung“ meiner neuen Vermieterin gegenüber unterzogen habe, werde ich am morgigen Tag hoffentlich einen Mietvertrag unterschreiben und anschliessend die neue Bleibe beziehen. Ich bin grad im Hotel und bemerke wie meine Vermieterin meinen Facekook-Account checkt. Hoffentlich hinterlasse ich einen akzeptablen Eindruck.

Meine bisherige Wohnung hat mich in den letzten Tagen daran zweifeln lassen, ob ich wirklich schon bereit bin, mich als ‚Einheimischen‘ zu bezeichnen. Antwort: Nein, bin ich nicht! Zusätzlich zum unter der Tür hereinfliessenden Wassers, kommt noch ein Dach, dass neu gedeckt und vor allem auch abgedichtet werden müsste. Und mein bisheriger Vermieter wendet die Verzögerungstaktik an. Jetzt halt ohne mich.

Fünf Zimmer und eine grosse überdachte Terrasse im Zentrum. Hört und sieht sich gut an. Hoffentlich war das eine gute Wahl. Ich habe ein gutes Gefühl, auch weil mich die Vermieterin mit Fragen gelöchert hat und wir uns darauf geeinigt haben, dass ich meine Miete per E-Banking bezahlen darf. Eine Rarität in diesem Land.

Heute habe ich mir die erste Pizza (Doppel-Zwiebel mit Oliven) seit mehr als drei Monaten gegönnt. Sehr fein; hier hat es viele Beizen, die ich mir noch näher ansehen werde. Man gönnt sich ja sonst nichts 😉 .

Di 9. Oktober 2018   C.   25° – 35° – 30°   wechselnd bewölkt, abends gewittrig

Den Konjunktiv mag ich nicht. Könnte, hätte, sollte. (Das gilt übrigens auch beim Spanischlernen.) Lieber sind mir Nägel mit Köpfen.

Ein solcher Nagel ist der fünfseitige, von einer Notarin beglaubigte Mietvertrag den ich heute unterschrieben habe. Neue Adresse: Pius Heimgartner, Cerro Corá esq. Brasil, 8700 Concepción, Paraguay

Nicht einmal ein Auto kann man in diesem Teil des Landes mieten. Offiziell läuft hier in dieser Beziehung gar nichts. Aber wenn man hartnäckig genug nachfragt, wenn man noch nicht viele Leute kennt, ist inoffiziell fast alles möglich. Den Transport von einigen vor zwei Monaten neu gekauften Möbeln habe ich heute jedenfalls auch organisiert.

Die nächsten zwei, drei Tage sind mit Wohnung her- und einrichten gebucht. Mein Lernpensum wir daher vorübergehend auf Sparflamme köcherln müssen.

Da ich gerade im Hotel wohne, habe ich am Abend im hauseigenen Restaurant wieder einmal ein richtiges Stück Fleisch verspeist. Und zum Abrunden einen „fast“ richtigen Espresso!! 😉 Ein „Drittweltland“ bedeutet nicht nur unbekannte Dinge verspeisen zu müssen.

Mi 10. Oktober 2018   C.     21° – 25° – 22°   Morgendliches heftiges Gewitter, nacher immer schöner

Den ganzen Tag war ich damit beschäftigt, die teilmöblierte neue Wohnung für den morgigen Transport der schweren, vor kurzem gekauften Möbel vorzubereiten.

kwt

Do 11. Oktober 2018   C.  21° – 29° – 26°   wechselnd bewölkt

Die neue Wohnung geputzt, die alte Wohnung von meine Möbeln ‚befreit’. Unterwegs haben wir noch einen anderen im Morast steckengebliebenen LKW aus dem Morast gezogen.Die Möbel in der neuen Wohnung deponiert. Anschliessend sind wir noch ein paar Bier trinken gegangen. Paraguayan style, im Liegestuhl auf dem Trottoir. Ich stelle fest, mein Spanisch wird immer besser und verständlicher.

Die Biere habe ich bezahlt. Dafür werden mir die ‚Zügelmänner’ am Sonntag meinen Fix installierten Grill auf der überdachten Terrasse einweihen.

kwt (Es ist schon ziemlich spät abends)

Fr 12. Oktober 2018   C.    25° – 35° – 27°   wechselnd bewölkt

Das beste Hotel in der Stadt (Eigenwerbung, Hotel Palace, gehört zur Hyatt-Gruppe. Die besten Tage hat es auch schon hinter sich, trotz des riesigen Swimmingpools und der Palmen. Es gibt halt einfach zu wenig Kundschaft in dieser Preisklasse. Eine Nacht ca. 65.-, inkl.Frühstück, ca. 20% des staatlichen Monatsmindestlohnes) Mein favorisiertes Hotel (Puerto Seguro) in dieser Stadt, wo ich schon fast als Stammgast gelte, kostet zwar nur die Hälfte, ist aber vom Preis-Leistungsverhältnis her viel weiter oben in meiner Beliebtheitshierarchie. Fremdsprachen spricht auch in einem sogenannt internationalen Hotel niemand. (Nichts schlimmes für mich, ich will ja mein Spanisch anwenden.)

So, jetzt ist mein Domizil so provisorisch eingerichtet. Bis die Details geordnet sind , wird es noch eine Weile dauern. Zeit dafür habe ich ja grundsätzlich genügend 😉

Bald habe ich wieder mehr Musse um zu schreiben.

 

 

Sa 13. Oktober 2018   C.     22° – 26° – 21°   wechselnd starke Bewölkung

Vom vielen Putzen bin ich momentan geistig zu müde, um noch einen längeren Text zu schreiben.

Ich geniesse dafür den angenehmen Abend auf meiner Terrasse und höre dem Zikadengesang zu…..

Kwt

 

So 14. Oktober 2018   C.     19° – 20° – 19°   bedeckt

Zur Abwechslung mal einen Witz:

George W. Bush, Barack Obama und Donald Trump sind gestorben und stehen vor Gott.

Gott fragt George W. Bush: „Woran glaubst Du?“ GWB antwortet: „Ich glaube an den freien Handel, ein starkes Amerika und an eine freie Nation.“ Gott: „Gut, komm und setz dich zu meiner Rechten.“

Gott fragt Barack Obama: „Woran glaubst Du?“ BO antwortet: „Ich glaube an die Demokratie, Hilfe für die Armen und den Weltfrieden. “Gott: „Gut, komm und setz dich zu meiner Linken.“

Gott fragt Donald Trump: „Woran glaubst Du?“ DT antwortet: „Ich glaube, dass Du auf meinem Stuhl sitzt……..“

Noch ein Hinweis in eigener Sache:

Ab Morgen 15.10. wird jeder Tag jeweils zuoberst erscheinen. Die bisherigen dreizehn Wochen werden als ein einziger Eintrag von mir stehen gelassen. (Ich weiss, es ist mühsam immer so weit runter zu scrollen, aber ich habe halt nicht von Anfang an ein öffentliches Tagebuch schreiben wollen. Und alles manuell umzuplatzieren, habe ich kein Bedürfnis. Vielleicht, vielleicht, wenn ich mal krank im Bett liegen muss oder so…)

 

Und für alle ohne Facebookzugangsmöglichkeiten, noch meine dort veröffentlichten Prä-Emigrationstexte:

 

Gedanken zu meiner bevorstehenden Auswanderung:

  1. Teil

Die Vorgeschichte:

Nachdem ich Ende 2011 nach zehnjähriger Betriebszugehörigkeit meine Arbeitsstelle freiwillig gewechselt habe (zehn Jahre sind genug!), hat eine Art persönlicher Odysee stattgefunden. Unbefriedigender neuer Arbeitsplatz (betrieblich, geografisch……), Umzug, erneuter Stellenwechsel (Abbruch während der Probezeit), 8-monatige Arbeitslosigkeit, zum dritten Mal bei der Post gelandet (das was man kennt, dass macht man halt…)

Dann, Anfang April 2017, während ich so da sitze und in einem Prospekt blättere, fliegen meine Augen über ein Inserat, dass da in etwa so lautet: „Auswandern………?“ mit WWW-Adresse.

Abends sitze ich zu Hause an meinem Compi und schaue mir diverse, das Emigrieren betreffende Sites an. „Ist das was für mich?“

Gründe gibts genug:
– gesellschaftlich, politisch: meine Meinung dazu lasse ich hier mal lieber bleiben!
– wirtschaftlich, finanziell: Ein Beispiel: Im Jahr 2016 habe ich ein dreimal tieferes Einkommen versteuert, als im jahr 2011… Und die Aussichten sind auch nicht gerade verheissungsvoll.
– persönlich, familiär: Midlifecrisis? Glaube ich eigentlich nicht, aber Veränderungen schaue ich immer aus der positiven Warte an. „Stillstand ist Rückschritt“
– diverse: Motto: „Auch Kleinvieh macht Mist“.

Anfang Mai 2017: Ich sitze im Flugzeug nach Asunción, der Hauptstadt von Paraguay…..

Fortsetzung folgt….

 

 

Gedanken zu meiner bevorstehenden Auswanderung:

  1. Teil

Der Grundsatzentscheid:

Mitte Mai 2017 sitze ich im Flugzeug auf dem Rückweg von Paraguay in die Schweiz. Mein Kopf ist voller Gedanken. Begegnungen, Eindrücke, Gerüche gehen mir durch den Sinn. Fotos habe ich meiner bisherigen Gewohnheit gemäss keine gemacht. Alles ist in meinem Hirn abgespeichert.

Noch weiss ich nicht, zu welcher Erkenntnis mich diese Reise bringen wird. Zuerst muss alles verarbeitet werden.

—–

Ende Mai 2017 fahre ich an einen Orientierungslauf in den Kanton Fribourg. „Les Alpettes“ ist ein ruppiger, „offroadiger“ Wald. So richtig OL-mässig halt.

Und dann, während der Rückfahrt, als ich mir in voller Lautstärke eine Oper von Mozart reinziehe, befällt mich die Erkenntnis: Ich wandere aus!

Zu Hause fange ich sofort mit dem Planen zur Umsetzung dieses für mich (und andere) fundamentalen Entscheides an. Deadline: Meinen nächsten Geburtstag am 26. Mai 2018 will ich am neuen Ort begehen!

Fortsetzung folgt…..

 

 

Gedanken zu meiner bevorstehenden Auswanderung:

3.Teil

Die Projektierungsphase:

Was tun? Naja, Integration geht nun mal meiner Meinung nach, vorallem auch durch Sprache (Sprache kommt von sprechen, oder? Umgekehrt?) Ich will ja nicht mein bisheriges Leben in ein anderes Umfeld verfrachten, sondern am neuen Ort ein neues, so weit als möglich/nötig der Umgebung angepasstes Leben führen. Um die „Beine hochzulagern“ fühle ich mich noch zu jung und gesund. Tatendrang und Ideen spornen mich an.

Als Erstes gilt es eine für mich neue Sprache zu lernen. Da das „gelobte“ Land zum jetzigen Zeitpunkt (es ist Ende Mai 2017) noch nicht bestimmt ist und ich durchaus ordentliche Englisch-Grundkenntnisse besitze, stürze ich mich ins Abenteuer Südamerika-Spanisch.

—–

Mitte September 2017: Inzwischen sind mehr als drei Monate seit meinem Entscheid vergangen. Und weil ich seither auch bereits mehr als sechshundert Stunden in das Erlernen der spanischen Sprache investiert habe, wird sich mein​ zukünftiges Leben auch in Südamerika bzw. Paraguay abspielen.

Warum Paraguay? Nun, die meisten Menschen hier wissen sehr wenig bis gar nichts über dieses Land. (Das ging mir übrigens genau so)
Einfach zusammengefasst lässt sich sagen, dass, wer hofft dass sich der Staat um einen kümmert, oder dass man sich hier gegen alles versichern kann, hier Fehl am Platz ist. Eigeninitiative ist gefragt.

Darum werde ich Mitte Oktober noch einmal nach Paraguay fliegen, um mich zu vergewissern, dass sich mein bisher noch nicht geoutete, im Kopf vorhandene Projekt verwirklichen lässt……

Ich werde berichten….

 

 

Gedanken zu meiner bevorstehenden Auswanderung

  1. Teil

Die Vor-Ort-Abklärungssphase:

Es ist Mitte Oktober und ich sitze schon wieder im Flieger nach Paraguay………..
Die Absicht ist, mir eine Liegenschaft oder ein Grundstück zu erwerben.

Nun (Mitte November 2017) bin ich zurück und es überrascht mich nicht wirklich, dass ich mit ‚leeren‘ Händen nach Hause gekommen bin. Allerdings im Wissen, das für mich Richtige richtig anzugehen.

Drei Objekte habe ich abgeklärt: 1x vom Tornado zu stark beschädigt, 1x zu stadtnah, 1x zu deutsch. Zu deutsch?? Ja, es wird erstaunlich viel germanisch palavert. Die Nachkommen der Alt-Nazis lassen grüssen. Und dass muss ich nun wirklich nicht haben.

—–

Auf den wenigen, mit Schlaglöchern gespickten, asphaltierten Strassen bewältige ich in zwei Wochen mehr als dreitausend Kilometer. (Wer in Paraguay autogefahren ist, kann über hiesiges Lamentieren von Strassenzuständen nur müde lächeln)

Unterwegs bin ich immer wieder fasziniert von den Gegensätzen: modern/alt (urban/rural); reich/arm (monetär betrachtet). Der Globalisierung von Gesellschaft und Wirtschaft gibt es wohl nirgends ein Entkommen. Aber, das ist gar nicht das Thema. Naiv bin ich wahrscheinlich nicht. (Ist aber für einige Menschen ein guter Selbstschutz)

Nun, schlussendlich habe ich die Gegend wo sich mein zukünftiges Dasein abspielen wird, gefunden. Im Departement Concepción werde ich versuchen mein Projekt aufzubauen und durchzuführen.

Worum es geht?
Wen es interessiert, darf mich gerne persönlich fragen.

Ein paar Fotos und Videos aus Paraguay gibt es hier: https://www.instagram.com/piusheimgartner/

continuará…

 

 

Gedanken zu meiner bevorstehenden Auswanderung:

5.Teil

Mein Projekt:

Es haben mich tatsächlich ein paar Menschen auf mein Projekt angesprochen.
Und wenn ich jetzt öffentlich darüber schreibe (müsste ich ja gar nicht….), bin ich mir ziemlich bewusst, als verrückt, naiv, als Gutmensch oder mit sonst einem Attribut belegt zu werden.
Damit kann und muss ich leben!

Als Einstieg empfehle ich dieses Video anzuschauen:

leider nur noch in English frei verfügbar: (ca.40′)
https://vimeo.com/95735800
(die ersten zwölf Minuten genügen, um zu verstehen um was es geht……)

So, oder ähnlich (ohne den religiösen Schnickschnack), könnte meine Zukunft aussehen.
Natürlich geht das alles nicht ohne Hilfe vor Ort. Auch lässt sich so etwas nicht einfach pfannenfertig aus dem Arm schütteln. Aber dass macht mir keine Sorgen.

—–

Ich bin mir sehr bewusst, dass die ein radikaler Einschnitt ins Leben ist.

Nahestehende Menschen werden traurig sein…
Dazu besteht kein Grund!

In meinem Leben habe ich viel bekommen. Jetzt ist es an der Zeit für mich, etwas zu GEBEN!

Wird vielleicht fortgesetzt…….

 

 

Gedanken zu meiner bevorstehenden Auswanderung:

  1. Teil

Zwischenbericht (ca. zwei Monate vor der Ausreise)

Einen Schweizer Pass zu besitzen hat mitunter seine Vorteile. Zum Beispiel, wenn es darum geht eine Niederlassungsbewilligung in einem ‚Drittstaat‘ zu bekommen. Man stellt fest, dass die Schweiz wider besseren Wissens als ‚Musterschülerstaat‘ bewundert wird. (Ups… Sorry, eine gesellschaftskritische Bemerkung)

Wie auch immer; Tatsache ist, dass es eine reine Formalität zu sein scheint, die Cédula (Niederlassungsbewilligung, Personalausweis) zu bekommen. $$ + €€ öffnen Tür und Tor. Geld regiert die Welt. (Sorry, schon wieder Gesellschaftskritik. Schähm!!!)

Und trotzdem kann ich mein im zweiten Teil formuliertes Ziel, meinen nächsten Geburtstag an meinem neuen Ort zu zelebrieren nicht einhalten. Dies liegt unter anderem daran, dass ich hier in der Schweiz noch mit menschlichen und juristischen „Problemen“ beschäftigt bin, die ich mit Anstand erledigt haben möchte.

—–

In den letzten Monaten bin ich viel mit meinem ‚Smart‘ in der Schweiz herumgekommen und habe dabei tatsächlich noch einige Gegenden kennengelernt, wo ich nie zuvor gewesen bin.
Dies immer im Bewusstsein, das letzte Mal an diesem Ort gewesen zu sein.

Ja, auch sentimentale Phasen muss ich bewältigen.
Aber die Aussicht zukünftig einen gänzlich neuen Lebensrhythmus zu haben, ist besser, als alle „Aber du chasch doch nöd….“, die ich zu hören bekomme.

Está es mi vida. Solo tengo este.

 

Ein Kommentar zu „

  1. danke Pius finde deine Texte spannend und informativ, mach weiter so, liebe grüsse von deinem cousin christian, ps: da ich weder ein facebook noch sonst irgend ein weiss ich nicht was habe würden mich deine pläne a b etc schon auch interessieren danke

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