Fr 25. Januar 2019   A.     26° – 38° – 34°   schön und heiss, harmlose Quellwolken

Heute lese ich, dass am Mittwoch an den meisten automatischen Wettermesstationen des Landes die höchsten je gemessenen Temperaturen abgelesen wurde. Fast überall wurden >40° registriert. Ok, die Messdaten reichen noch nicht so weit zurück. (Ein paar Jahre, bis höchstens Jahrzehnte. Heiss war es aber sowieso)

Aber ganz ehrlich gesagt, gehe ich bei diesen Temperaturen tagsüber eher nicht nach draussen, höchstens in den Swimmingpool 😉 Und drinnen lässt es sich dank AirCondition auch ganz bequem aushalten.

Momentan sitze ich sowieso häufig vor meinem Laptop am Schreiben. Ich versuche mich tatsächlich darin, zwei ganz verschiedene Bücher zu schreiben. Einen Roman und ein Buch das von Paraguay und seinen Menschen, den Landschaften und so, handelt. Ich stehe noch am Anfang und ob ich jemals etwas veröffentliche, ist noch gar nicht sicher.

Und am On- und Offline Grammatik büffeln bin ich natürlich auch jeden Tag. Mit meinem Spanisch werde ich erst zufrieden sein, wenn ich beginne in dieser Sprache zu denken und schreiben.

So vergehen die Tage – nun bin ich schon mehr als ein halbes Jahr hier – und mir gefällt es immer besser. Dies setzt natürlich voraus, dass man Kompromisse einzugehen bereit sein muss. So zum Beispiel beim Wohnen. Ich habe mich in einer Zwei-Zimmerwohnung im zehnten Stock eines achtzehnstöckigen, neu erstellten nach (fast) europäischen Normen erstellten Wohnhauses eingemietet.

Ich nenne das mein Refugium. Einen Ort wo ich in Ruhe meinen mir wichtigen Tätigkeiten (Schreiben, Lernen und Lesen) nachgehen kann. Dass es im siebzehnten Stock einen grösseren Rooftop-Pool mit In- und Outdoor Lounches hat und im achtzehnten Stock auch noch einen mit Panoramablick und Geräten ausgestatteten Fitness- und Gymnastikraum hat, ist ein schönes nice-to-have und ich mache dann halt auch Gebrauch davon.

Ich bin mir natürlich bewusst, dass das nicht den landesüblichen Wohngewohnheiten entspricht. Die ersten fünfeinhalb Monate in der Provinzstadt Concepción haben mir gezeigt, dass die meisten Leute ziemlich einfach aber zufrieden in dem meist eigenen Häusern leben. Nein, in den dichter besiedelten Gebieten gibt es keine wirkliche Armut, aber es ist halt trotzdem meistens ein sehr einfaches Leben ohne Luxus und Aircondition. (Airconditions hat es dafür in fast allen Geschäften. Und dort wir dann fast bis auf Kühlschranktemperatur abgekühlt) Wenns hoch kommt, sitzen die Leute draussen vor dem Haus oder auf dem Trottoir und lassen sich von einem Ventilator die eh schon warme Luft ins Gesicht blasen.

Ich schweife ab. Eigentlich wollte ich ja erzählen, dass ich mich mit einer Familie angefreundet habe. Am Mittwoch als es so heiss wurde, ist das öffentliche Stromnetz unter der Last der energiefressenden Klimaanlagen zusammengebrochen. Ok, ich war davon nicht betroffen. Dieses Haus hat ein eigenes Notstromaggregat. Die wissen schon warum.

Am späteren Abend wurde ich angetextet und als ich mitbekommen habe, wie schwer erträglich es sein muss, bei über dreissig Grad Nachtemperatur und ohne jegliche Möglichkeit zur Abkühlung schlafen zu können. (Kein Strom heisst auch keinen Kühlschrank)

Dass die Infrastruktur in diesem Land nur mangelhaft ist und vor allem auch schlecht gewartet wird, ist nicht die Schuld der Bevölkerung. Zum Beispiel produziert das binationale riesige Wasserkraftwerk Itaipu am Río Paraná fünfmal mehr elektrische Energie als das ganze Land benötigt. Der Rest geht nach Brasilien oder Argentinien. Und trotzdem fällt hierzulande an vielen Orten immer wieder der Strom für Stunden aus.

Schlussendlich haben fünf Erwachsene Personen und ein zehnjähriger Junge in meinen zwei Zimmern genächtigt. Dies ist halt meine Art zu zeigen, dass ich keinerlei kolonialistische oder missionarische Absichten hege und mittelfristig auch gedenke wie die Einheimischen zu leben. Wahrscheinlich werde ich aber mein Refugium behalten.

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