Do 31. Mai 2019 A. 17° – 19° – 17° sehr viele Wolken, wenige Sonnenstrahlen

Betrachtungen über das Bildungswesen und die Amigo-Gesellschaft Paraguays:

Meine Eindrücke vom Schulbesuch:

Viele Kinder, dafür ist der Schulbesuch auch gratis. Das wird auch von den meisten genutzt. Es sind aber auch nur drei bis vier Stunden Unterricht am Tag pro Schüler. Es gibt so viele Kinder, das an allen öffentlichen Schulen vormittags die eine Hälfte zur Schule geht, am Nachmittag die andere Hälfte. Die Analphabetenrate im Lande liegt aktuell bei etwa 5%. Grossmehrheitlich in den ländlichen Gebieten.

Allerdings deucht mich auch das Allgemeinwissen ziemlich bescheiden. Wenn zum Beispiel bei einem Vortrag im fünfzehnten Schuljahr, die Vortragende nicht einmal in einfachen Worten beschreiben kann, wie die Verdauung funktioniert. Von der Flüssigkeits- und Nahrungsaufnahme bis zu Ausscheidung dieser ‚Abfälle‘. Von Geschichte, Geographie und dem Rest der Welt ganz zu schweigen.

Es ist halt hier noch schwieriger Traditionen zu überwinden. Die Familie ist einfach zu wichtig. Bis über den Tod hinaus. Aber was soll man auch erwarten, in einem Land, wo der Zugang zu sozialem Aufstieg praktisch unmöglich ist.

Das Verständnis von denen ‚da oben’ für die Alltagssorgen der überwiegenden Mehrheit der Bevölkerung ist schlichtweg nicht vorhanden.

Kürzlich las ich einen Zeitungsartikel über die Regierung der zweitgrössten Stadt Paraguays (Ciudad del Este = Oststadt). Dort hat man ‚zufälligerweise’ entdeckt, dass die Bürgermeisterin sechshundert neue Arbeitsverträge in der Verwaltung mitunterzeichnet hat. Bezahlte Stellen, die in Realität gar nicht existieren. Amigo-Wirtschaft nennt sich das. Wahrscheinlich Familienangehörige und/oder Freunde und Freundesfreunde.

Schnell ist man hier Amigo von irgendjemandem, der einem bei irgendetwas behilflich sein könnte. Hauptsache es springt Bares dabei heraus. Kürzlich hat mir der am Flughafenzoll arbeitende Freund eines ‚Freundes’ angeboten, wenn ich bei der Einreise einen Koffer voll von irgendetwas nicht Zollfreiem (Bargeld, Drogen………….) in das Land einführen wolle, soll ich ihn einfach anrufen, ich würde dann einfach durchgewunken. Das hat selbstverständlich nichts mit Korruption zu tun, dies ist hier der normale Alltag.

Das könnte noch schwierig werden für mich, der noch immer von sich behauptet nicht korrumpierbar zu sein. Ich bin einfach zu ehrlich (gutmütig) und besitze zu wenig Geschäftssinn.

Noch was fürs Gemüt:

Lapacho

Bild (heimi): Der erst blühende Lapacho-Baum im Ostfriedhof am 31. Mai

Morgen ist offiziell der Winteranfang. Das heisst auch, das hier, wenn die Temperaturen nicht so hoch sind, die Blütezeit beginnt. Praktisch alle natürlich vorkommenden Pflanzen sind das ganze Jahr über im Saft.

Heute habe ich den ersten blühenden Lapacho-Baum gesehen (siehe Foto)

Geschätzt jeder zweite oder dritte Baum ist solch ein Lapacho-Baum. Bald wird sich die Baumlandschaft in ein rosarotes Blütenmeer verwandeln.

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