So 7. Juli 2019   Kirchdorf AG   18° – 25° – 20°   Nächtliches Gewitter. Tagsüber viel Sonne und einige vorbeiziehende Wolkenfelder   (A. 5° – 17°- 10°, läck esch das chalt!)

Heute ’nur‘ ein übernommener Text, den ich von einem von mir geschätzten Blog veröffentlichen durfte. Danke an Matthias E. und Bonetti Media!

Orte der Trauer

Wenn man in Richtung Schweppenhausen fährt, steht am Ortsausgang von Langenlonsheim ein Kriegerdenkmal vor dem Friedhof, das an die Toten des Ersten Weltkriegs erinnert. Aufschrift: „Unsere Helden“, dann sind die Namen der Gefallenen aufgeführt. Manche Leute würden diese Denkmäler gerne abreissen, weil in ihren Augen der Krieg und die Monarchie verherrlicht werden. Es lohnt sich, über die eigentliche Funktion dieser Denkmäler nachzudenken.
Viele Familien verloren damals ihre Söhne und erhielten lediglich eine Nachricht, wo und wann er verstorben sei. Im Regelfall bekamen die Familien den Leichnam nicht überstellt und konnten daher auch keine Beerdigung veranstalten, da die zerfetzten Leiber ihrer Kinder in irgendeinem Massengrab in Flandern verwesten. Es gab also für die Eltern und für die Geschwister keinen Ort, um zu trauern. Keine Grabstelle, auf die man Blumen legen konnte. Also wurden in den Dörfern diese Denkmäler errichtet, damit die jungen Menschen, die so früh und so sinnlos ihr Leben verloren hatten, nicht vergessen wurden, und die Familien einen Ort hatten, wo man gemeinsam mit anderen der Toten gedenken konnte. Es gehört leider zur Oberflächlichkeit und Hochnäsigkeit unserer Zeit, sich über diese Dinge lustig zu machen.
Genauso verhält es sich mit den katholischen Kirchen, die in den Augen mancher Leute kitschig ausgemalt sind. Sie machen sich besonders gerne über die pausbäckigen Engel lustig, die wie adipöse Kleinkinder aussehen. Auch diese Bilder haben eine Funktion. Früher starben viele Kinder bereits als Säugling oder als Kleinkind. Wie konnte es sein, dass Gott eine so unschuldige Seele vor der Zeit zu sich nimmt? Das eigene Kind beerdigen zu müssen, ist eine traumatische Erfahrung, die fast jede Mutter und jeder Vater zu erleiden hatte. Der Gedanke, es sei nun ein Engel im Himmel, tröstete die Menschen, denn da das Kind ohne Sünde gewesen ist, konnte es niemals in die Hölle kommen. Die Kirche war der Ort, wo man mit seiner Trauer, mit seinen Schmerzen und mit seinen Tränen allein sein konnte. Die Mütter und Väter betrachteten die glücklichen, wohlgenährten Engel, die lachend auf Wolken sassen, und stellten sich vor, es sei ihr Kind, das sie verloren hatten. Auch an diesem Punkt sollte man den Ort der Trauer nicht zum Gegenstand von Hohn und Spott machen. Diese Bilder, wie auch die Denkmäler, haben einen Sinn, auch wenn er sich nicht jedem Betrachter erschließen mag.
Bild des Tages:
20190707_095539
Bild (heimi)

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