Mo 8. Juli 2019   Kirchdorf AG   16° – 22° – 19°   sommerlich wechselhaft, trocken   (A. 7° – 20° – 14°)

Bald ist mein Aufenthalt hier in der Schweiz zu Ende. Und ehrlich gesagt, bin ich froh wieder nach Paraguay gehen zu dürfen. In Gesprächen stelle ich fest, dass ich mich einfach nicht mehr mit dieser Gesellschaft identifizieren kann. Leben und leben lassen. Missionieren ist nicht mein Stil. Nur soviel, aus meiner Erfahrung: Mensch kann fast überall auf der Erdkugel leben. Es wohnen ja schliesslich auch fast überall Menschen. Vorausetzung ist selbstverständlich auch eine gewisse Neugier auf Neues (oder Anderes).

Ich könnte jetzt natürlich über die Vor- und Nachteile von Gesellschaftsformen dozieren, aber wie oben schon erwähnt, dass Oberlehrerhafte ist nicht mein Ding. Die Schweiz zum Beispiel ist ein sehr gutes Land zum Leben. Fast alles ist perfekt organisiert. Das allermeiste funktioniert zuverlässig und einwandfrei. Dazu soll Mensch Sorge tragen, im Bewusstsein, dass vieles das hier selbstverständlich ist, für die Mehrheit der Menscheit wie ein Paradies erscheint. Aber…, warum scheinen hierzulande trotzdem viele Menschen nicht wirklich zufrieden zu sein in ihrem menschlichen Dasein? ….. Diese Frage muss ich offen lassen. Damit muss jeder selber zurecht kommen.

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So 7. Juli 2019   Kirchdorf AG   18° – 25° – 20°   Nächtliches Gewitter. Tagsüber viel Sonne und einige vorbeiziehende Wolkenfelder   (A. 5° – 17°- 10°, läck esch das chalt!)

Heute ’nur‘ ein übernommener Text, den ich von einem von mir geschätzten Blog veröffentlichen durfte. Danke an Matthias E. und Bonetti Media!

Orte der Trauer

Wenn man in Richtung Schweppenhausen fährt, steht am Ortsausgang von Langenlonsheim ein Kriegerdenkmal vor dem Friedhof, das an die Toten des Ersten Weltkriegs erinnert. Aufschrift: „Unsere Helden“, dann sind die Namen der Gefallenen aufgeführt. Manche Leute würden diese Denkmäler gerne abreissen, weil in ihren Augen der Krieg und die Monarchie verherrlicht werden. Es lohnt sich, über die eigentliche Funktion dieser Denkmäler nachzudenken.
Viele Familien verloren damals ihre Söhne und erhielten lediglich eine Nachricht, wo und wann er verstorben sei. Im Regelfall bekamen die Familien den Leichnam nicht überstellt und konnten daher auch keine Beerdigung veranstalten, da die zerfetzten Leiber ihrer Kinder in irgendeinem Massengrab in Flandern verwesten. Es gab also für die Eltern und für die Geschwister keinen Ort, um zu trauern. Keine Grabstelle, auf die man Blumen legen konnte. Also wurden in den Dörfern diese Denkmäler errichtet, damit die jungen Menschen, die so früh und so sinnlos ihr Leben verloren hatten, nicht vergessen wurden, und die Familien einen Ort hatten, wo man gemeinsam mit anderen der Toten gedenken konnte. Es gehört leider zur Oberflächlichkeit und Hochnäsigkeit unserer Zeit, sich über diese Dinge lustig zu machen.
Genauso verhält es sich mit den katholischen Kirchen, die in den Augen mancher Leute kitschig ausgemalt sind. Sie machen sich besonders gerne über die pausbäckigen Engel lustig, die wie adipöse Kleinkinder aussehen. Auch diese Bilder haben eine Funktion. Früher starben viele Kinder bereits als Säugling oder als Kleinkind. Wie konnte es sein, dass Gott eine so unschuldige Seele vor der Zeit zu sich nimmt? Das eigene Kind beerdigen zu müssen, ist eine traumatische Erfahrung, die fast jede Mutter und jeder Vater zu erleiden hatte. Der Gedanke, es sei nun ein Engel im Himmel, tröstete die Menschen, denn da das Kind ohne Sünde gewesen ist, konnte es niemals in die Hölle kommen. Die Kirche war der Ort, wo man mit seiner Trauer, mit seinen Schmerzen und mit seinen Tränen allein sein konnte. Die Mütter und Väter betrachteten die glücklichen, wohlgenährten Engel, die lachend auf Wolken sassen, und stellten sich vor, es sei ihr Kind, das sie verloren hatten. Auch an diesem Punkt sollte man den Ort der Trauer nicht zum Gegenstand von Hohn und Spott machen. Diese Bilder, wie auch die Denkmäler, haben einen Sinn, auch wenn er sich nicht jedem Betrachter erschließen mag.
Bild des Tages:
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Bild (heimi)

Sa 6. Juli 2019 Kirchdorf AG   15° – 25° – 21°   Gewitterträchtige Luft, starke Windböen, aber wenig Regen. (Wenigstens dort wo ich war)   (A. 5° – 15° – 7°)

Ich „verpasse“ gerade die voraussichtlich kälteste Woche des Jahres in Paraguay. Mehrere Nächte hintereinander mit <10° Nachttemperatur. Nächste Woche wenn ich zurückkehre, sollen aber schon wieder normale Temperaturen bis zu 29° vorherrschen. 😃

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Als ehemaliger, während fast zwanzig Jahre in oder um Zürich lebender Mensch, konnte ich es nicht ganz unterlassen heute dem ‚ZüriFäscht‘ einen Besuch abzustatten. Allerdings um die Mittagszeit, vor dem grossen Ansturm. Das abendliche Feuerwerk mute ich mir aus Erfahrung nicht zu. Die Masse der Besucher ist einfach zu gross, um einen genügend guten Anblick geniessen zu können.

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Bild (heimi): Die Haupthalle des Zürcher Hauptbahnhofes, noch fast leer.
Video (heimi): ‚Free Fall Tower‘. Nichts für Leute mit Höhenangst

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Bild (heimi): Zürich Paradeplatz. Schweizer Finanzzentrum. Für einmal ohne Trams.

Fr 5. Juli 2019    Kirchdorf AG   17° – 31°- 26°  schön    (A. 10° – 17° – 11°)

Auch heute war ich den ganzen Tag unterwegs. Einige Impressionen:

 

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Bild (heimi): An der Gotthardsüdrampe (Blick in Richtung Bedrettotal, Kanton Tessin)

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Bild (heimi): Ländliche Idylle am Strassenrand (Leider kann man das Glockengeläut auf der Foto nicht hören)

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Bild (heimi): Am Col de la Croix (Kanton Waadt)

Do 4. Juli 2019 Kirchdorf   18° – 28° – 24°   vorwiegend sonnig   (A. 10° – 18° – 13°)

Einige interessante Begegnungen habe ich bereits hinter mir. Und ich merke, dass ich nicht mehr hierher gehöre. Die Schweizer Mentalität ist mir abhandengekommen. Ich bin sehr gerne in dieses Land in die Ferien gekommen. Auch bin ich Schweizer und werde es auch bleiben. Aber noch mehr freue ich mich, dass ich nächste Woche wieder in meine Wahlheimat zurückgehen darf. Zum Glück muss ich mich bei niemandem rechtfertigen, genausowenig wie sich ein erwachsener Mensch bei mir für sein Handeln rechtfertigen muss. In diesem Sinne wünsche ich allen ein schönes Leben. Einmal mehr, stellt sich mein schon mehrfach erwähntes Motto, als das für mich richtige dar:

No espero nada, no temo nada, soy libre

Bild des Tages:

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Bild (heimi): Linde von Linn

 

Mi. 3. Juli 2019 Kirchdorf AG   16° – 26° – 22°    sommerlich, mit Tagesgang   (A. 16° – 20° – 13°)

Ich empfinde es noch als entspannend, während eines grossen Teil des Tages nicht erreichbar zu sein. Das lässt viel Zeit, sich Gedanken über ‚Gott und die Welt‘ zu machen, sowie die Umwelt auf sich wirken zu lassen. So nach dem Motto meines Tagebuchs:

No espero nada, no temo nada, soy libre. (Ich erwarte nichts, ich fürchte nichts, ich bin frei)

Ganz entspannt durch den Tag gehen und alles auf sich zukommen lassen.

Während des heutigen Tages habe ich einen gemütlichen Spaziergang unternommen. Kirchdorf – Baden – Baldegg – Gebenstorfer Horn – Turgi – Kirchdorf. Ein paar bildliche Impressionen davon:

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Bild (heimi): Grossbaustelle im Badener Bäderquartier

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Bild (heimi): Restaurant Baldegg vom Aussichtsturm

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Bild (heimi): Erntezeit!

 

Di. 2. Juli 2019 Kirchdorf AG 21° – 28° – 22° In der Nacht ein Gewitter. Sommerlich, mit unterschiedlicher Bewölkung und potenzieller Schauerneigung, aber trocken (A. 14° – 19° – 17°)

Was mir bein Autoradiohören auffällt, nebst den schier endlos wiederholten ‚News‘, ist, dass momentan viele Songs mit spanischsprachigen Texten zu hören sind, die auch in Paraguay den ganzen Tag rauf und runter zu hören sind. Das nennt sich wohl globaler ‚Einheitsgeschmack‘.

Auch habe ich schon mehrmals gedacht, die Schweiz und andere ‚fortschrittliche‘ Länder sind von sehr leidensbereiten Menschen bewohnt. Stichwort Klima. Wenn ich zum Beispiel lese, dass ein neu erstelltes Schulhaus nach den neuesten klimaschonenden Standards – Minergie-(irgendwas), intelligente Beleuchtung, Belichtung und Belüftung und so weiter – in diesen paar ‚heissen‘ Tagen auf über dreissig Grad aufheizt. Eine Klimaanlage wäre ja des Teufels und schadet dem Klima (und der Konzentration?) Andererseits sehe ich auf den Strassen viele topmoderne Autos, mit geschlossenen Fenstern und eine hintersichherziehende, tröpfelnde Spur. Das heisst für mich, die Klimaanlage läuft auf Hochtouren. Aber das ist vermutlich kein Widerspruch und selbstverständlich ‚Klimaneutral‘ oder ‚CO² neutral‘. Für mich die Unworte in diesen Zeiten.

klimaneutral

Abbildung (copy&paste): Dieser Beitrag ist 100% klimaneutral und vegan, aber kann Spuren von Ironie enthalten!!!